Freitag, 26. September 2008

Heimvorteil / Moschee, nein Danke



Das klingt interessant, finde ich - mal sehen, ob ich am Montagabend daran denke:
Heimvorteil / Moschee, nein Danke
ein Film von Jan Gabriel

29. September 2008, 23.15 Uhr, SWR

“Heimvorteil” erzählt die Geschichte eines seit 20 Jahren andauernden Moscheebaukonflikts in der baden-württembergischen Kleinstadt Wertheim.

Ömer Akbulut lebt seit über 30 Jahren in Wertheim und engagiert sich als Sprecher der islamischen Gemeinde für den Bau einer Moschee mit Minarett und Kuppel. “Wenn ich eine Moschee bauen darf, sehe ich mich als akzeptiert und dann ist das hier meine Heimat.”

Der mittelständische Firmeneigentümer Willi Schwend sieht das anders: “Dies ist unsere Heimat und die werden wir verteidigen und versuchen zu bewahren.” Er gründete eine Bürgerinitiative, die über die kleinstädtische Grenze hinaus mittlerweile deutschlandweit gegen die “Islamisierung” und den Neubau von Moscheen kämpft.

Regisseur Jan Gabriel begeleitet den Moscheebaukonflikt über zwei Jahre und macht in seine 60-minütigen Dokumentarfilm sichtbar, wie Herr Schwend seinen “Heimvorteil” in Wertheim nutzt und wie die Muslime mit dieser Ablehnung umgehen müssen.
http://www.moscheeneindanke.de
http://www.heimvorteil-film.de

Donnerstag, 25. September 2008

Die Goldene Regel stammt nicht von Jesus!



Beim Vortrag des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Dr. Wolfgang Huber, vorgestern auf dem Deutschen Pfarrertag in Speyer, habe ich mal wieder etwas dazugelernt. Bisher war ich der Meinung, die Ursprungsfassung der "Goldenen Regel" sei die positive, wie sie Jesus in der Bergpredigt formulierte:
"Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!"
(Matthäus 7,12a; Luther 1984)
Ich dachte, erst der Volksmund habe diese Regel zum Sprichwort in der Negativfassung umformuliert. Tatsächlich findet sich genau dieses aber bereits im apokryphen Buch Tobit (Tobias in der Lutherbibel):
"Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu!"
(Tobit 4,15; Einheitsübersetzung)

"Was du nicht willst, daß man dir tue, das tu einem andern auch nicht."
(Tobias 4,16; Luther 1912)

"Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu."

(Tobias 4,16; Luther 1984 mit Apokryphen)
Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet WiBiLex.de bezeichnet diese Regel unter Punkt 2.5 5) sogar als "Gipfelpunkt der ethischen Weisungen des Tobitbuches".

Das Buch Tobit ist etwa 200 Jahre vor Christi Geburt entstanden. Es hat also nicht der Volksmund die Positivfassung der Goldenen Regel aus der Bergpredigt Jesu verändert, hin zu einer "Ich-tu-dir-nichts-tu-du-mir-auch-nichts"-Version. Sondern Jesus hat auf diese bereits bekannte Regel zurückgegriffen und ihr einen neuen, aktivierenden, viel fordernderen Dreh gegeben.

Wie auch Bischof Huber in seinem Vortrag deutlich machte, dass die negativ formulierte Goldene Regel durchaus eine gute ethische Weisung ist, sie aber in manchen Fällen zu absurden Konsequenzen führt. So müssten die freundlichen Damen vom Ordnungsamt darauf verzichten, Knöllchen auszustellen - denn sie selbst würden solche bestimmt auch nicht gerne haben wollen, und "was du nicht willst, dass man dir tu ..."

Weihnachten mit Melissa Etheridge

Wie ich gerade erfahre, erscheint am 14. November eine CD mit Weihnachtsliedern von Melissa Etheridge, "A New Thought For Christmas", bei Amazon erhältlich für 19,99 Euro. Die Titelliste lautet:

1. Blue Christmas
2. Glorious
3. Christmas (Baby Please Come Home)
4. Have Yourself A Merry Little Christmas
5. Ring The Bells
6. Merry Christmas Baby
7. Christmas In America
8. Light A Light
9. It's Christmas Time
10. O Night Divine

Dienstag, 23. September 2008

"Welche Werte braucht das Land?" - 700 Pfarrerinnen und Pfarrer diskutieren in Speyer

Seit gestern findet in Speyer der 70. Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag statt. 700 evangelische Geistliche sind dazu aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarkirchen angereist.

Boah, 700 Pfarrer auf einem Haufen, werden die einen sagen, das hält ja kein Schwein aus! Andere sehen es vielleicht positiv: Da muss Speyer ja direkt in den Himmel fliegen!

Scherz beiseite: Der Schwerpunkttag heute steht unter dem Motto „Was du nicht willst, das man dir tu“, und die Pfarrerinnen und Pfarrer diskutieren dabei die Frage „Welche Werte braucht das Land?“ Die Kirchen sind hier gefragt, denn kaum läuft etwas schief in der Gesellschaft, bleibt jemand auf der Strecke im undurchsichtigen Auf und Ab von Geldwirtschaft und Arbeitsmarkt, sollen sie es richten mit ihrer frohen Botschaft und diakonischem Handeln.

Das tun die Kirchen auch. Aber mit der Frage „Welche Werte braucht das Land?“ wollen die Pfarrer in Speyer deutlich machen: Es reicht nicht, wenn diese Aufgabe nur den Kirchen zugeschoben wird. Es ist eine Frage, die die gesamte Gesellschaft, die alle angeht.

Und letztlich kann es dann nicht genügen, nur zu sagen: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Also: "Ich tu dir nix Böses, tu du mir auch nix Böses." Und damit hat es sich.

Die original „Goldene Regel“, wie sie Jesus in der Bergpredigt formuliert hat, lautet entscheidend anders: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" (Mt 7,12). Handle an anderen Menschen so, wie Du auch von ihnen behandelt werden möchtest. Es geht darum, aktiv Gutes zu tun, nicht nur, nichts Böses zu tun. Das ist viel schwieriger. Aber nur das ist der Weg zu einem besseren Umgang miteinander. Machen wir aus der "Goldenen Regel" kein Blech.

Montag, 22. September 2008

Karten oder Würfel - was denn jetzt? Das "Entdeckungsspiel Presbyterium" der pfälzischen Landeskirche

Die Vorbereitungen zu den Presbyteriumswahlen in den pfälzischen Kirchengemeinden am 1. Advent laufen auf Hochtouren. Das erklärte Ziel ist, wieder eine Wahlbeteiligung von über 30 Prozent zu erreichen. Ein Produkt der Vorbereitung ist das "Entdeckungsspiel Presbyterium", das der Leiter des Religionspädagogischen Zentrums in Neustadt a.d.W., Pfarrer Michael Landgraf, unter Mitarbeit von Bernadette Ritter, Jill Rohde und Rita Kurtzweil entwickelt hat. Das Spiel wurde schon im Sommer an alle Gemeindepfarrämter versandt, kann
aber auch im Öffentlichkeitsreferat der pfälzischen Landeskirche zum Preis von fünf Euro
angefordert werden.

Ich schreibe hier nicht über dieses Spiel, weil ich es so toll finde und allen Gemeinden ans Herz lege. Wahr ist, dass ich es noch überhaupt nicht zu Gesicht bekommen habe. Ich möchte aber gerne das Schmunzeln weitergeben, dessen ich mich nicht erwehren konnte, als ich gerade die Pressemitteilung zu diesem Spiel in meiner Mailbox fand. Da wird das Spielmaterial folgendermaßen beschrieben:
Es gibt keine hundertseitige Spielanleitung, keine große Kiste mit hochglänzendem Spielplan und schon gar keine Konsole mit Joystick. Das Spiel besteht lediglich aus 19 Karteikarten im Format DIN-A5, auf denen jeweils eine kurze Einführung, der Spielablauf und gegebenenfalls die Lösungen verzeichnet sind und zwölf kleinen Rollenkarten zum Ausschneiden.
So weit, so gut. Aber welche Grafik finde ich im Anhang der E-Mail?

Freitag, 19. September 2008

Auf der Suche nach dem Gott-Teilchen

Vor etwas über einer Woche wurde er in Betrieb genommen: der Large Hadron Collider, kurz LHC, am Kernforschungszentrum CERN in Genf, die größte von Menschen gebaute Maschine. 27 Kilometer Länge misst der 150 Meter unter der Erde liegende Tunnelring des Teilchenbeschleunigers. Seine Baukosten alleine - ohne die zur Ergebnisanzeige notwendigen Detektoren - betrugen rund drei Milliarden Euro.

Und wofür? Sehr vereinfacht gesagt: für ein gigantisches Mikroskop. Paradoxerweise werden die Messgeräte umso größer, je kleiner die untersuchten Objekte sind. Oder genauer gesagt: die gesuchten Objekte. Denn das Higgs-Teilchen, das die CERN-Wissenschaftler unter anderem erforschen zu können hoffen, existiert bislang nur in der Theorie. Ihm werden Eigenschaften zugeschrieben, die diejenigen eines Schöpfergottes sein könnten: Es muss der Theorie zufolge im Universum allgegenwärtig sein, und es ist allmächtig in dem Sinne, dass es allen anderen Teilchen ihre Masse verleiht, also die Eigenschaften der Materie steuert. Darum nennen es manche Physiker auch das "Gott-Teilchen".

Eine öffentlichkeitswirksame Bezeichnung, durchaus. Es schwingt darin auch deutlich der Wunsch mit, die letzten Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Aber wie christliche Theologen aller Couleur sich hüten sollten, die biblischen Schöpfungsgeschichten als naturwissenschaftliche Weltentstehungstheorie zu behaupten, so sollten Physiker nicht einfach religiöse Formulierungen auf ihre Erkenntnisse übertragen. Es könnte der Verdacht entstehen, die Naturwissenschaftler wollten sich mit der Entdeckung des Gott-Teilchens die Deutungshoheit für alle menschliche Erfahrung sichern.

Dem gegenüber wäre festzuhalten: Die Experimente mit dem LHC bringen - hoffentlich - faszinierende neue Erkenntnisse über Anfang und Struktur des Universums. Sie werden jedoch nichts daran ändern, dass wir weiterhin mit Luther sagen können:. "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen ..."

(Dieser Artikel erschien - leicht gekürzt - auch in der Ausgabe 38/2008 des Evangelischen Kirchenboten)

Dienstag, 16. September 2008

Alle gegen Kinderarmut - aber weiß die eine Hand, was die andere tut?

Bei mir trudelt derzeit eine Meldung über Initiativen gegen Kinderarmut nach der anderen ein. Den Eindruck konzertierten Vorgehens macht das nicht, aber immerhin, es geschieht etwas. Was, das möchte ich in diesem Beitrag zusammenfassen:

1. In der pfälzischen Landeskirche wurde am vergangenen Sonntag in Ludwigshafen eine Kampagne gegen Kinderarmut eröffnet. Aus der Pressemitteilung vom 14.9.2008:
Mit einem Familiengottesdienst eröffnete das Diakonische Werk Pfalz heute in der Matthäuskirche in Ludwigshafen seine traditionelle Herbstopferwoche und startete zugleich seine Kampagne gegen Kinderarmut. Unter dem Motto "Absprung! Raus aus der Kinderarmut" rief das Diakonische Werk Pfalz dazu auf, die Situation armer Kinder in Rheinland-Pfalz in den Blick zu nehmen, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren und tragfähige Konzepte zur Armutsprävention zu entwickeln. (...)

In seiner Eröffnungsansprache wies Landespfarrer für Diakonie Gordon Emrich darauf hin, dass in Deutschland jedes fünfte bis sechste Kind unterhalb der Armutsgrenze lebe, in Ludwigshafen sogar jedes vierte Kind in Armut aufwachse. (...) Aufgrund der komplexen Problematik führten eindimensionale Lösungen einzelner Akteure nicht weiter. Eine breite Vernetzung von Verantwortlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft zum Wohle der Kinder und ihrer Familien sei anzustreben. Er wünsche sich, dass neben dem Kirchenbezirk Ludwigshafen und der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen viele Menschen die Kampagne unterstützen. Ganz besonders freue er sich, dass der prominente Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk sich als Botschafter für die Kampagne engagiere.
Was geschieht konkret bei dieser Kampagne, außer dass der Erlös dieser Herbstsammlung sowie der künftigen Sammlungen für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit von Diakonie, Kirchenbezirken und Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz bestimmt ist? Wie wird das Anliegen der Kampagne in die Kirchengemeinden hineingetragen? Darauf antwortete mir Landesdiakoniepfarrer Gordon Emrich im Interview für die RPR1-Nachrichten:
"Es gibt einen Flyer, den die Kirchengemeinden zugestellt bekommen, mit den wichtigsten Informationen über Armut und ihre Auswirkungen auf Kinder. Es gibt daneben eine Arbeitshilfe für die Kirchengemeinden, für Konfirmanden- und Schulunterricht sowie Gottesdienstgestaltung, und es gibt darüber hinaus noch Informationen, die wir zur Verfügung stellen, wenn Kirchengemeinden mit ihren Gruppen sich mit dem Thema Kinderarmut auseinandersetzen wollen."
Die Arbeitshilfe steht auf der Homepage der pfälzischen Landeskirche als pdf-Datei zum Herunterladen bereit.

2. In Hannover findet/fand heute ein unter anderem von der Nationalen Armutskonferenz veranstalteter Fachtag zum Dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung statt. Aus der Pressemitteilung vom 16.9.2008:
Ein Sofortprogramm gegen Kinderarmut hat heute der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (NAK) und Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, gefordert (...): „Die Politik ist sich einig: Bereits morgen könnten Lernmittelfreiheit, ein kostengünstiges Mittagessen in der Ganztagsbetreuung oder der Ganztagsschule und kostenloser Schülertransport mindestens für arme Kinder überall zum Rechtsanspruch werden. Bund, Länder und Kommunen müssen endlich klären, wer auf welcher Ebene die Verantwortung dafür trägt. Die Erhöhung der staatlichen Unterstützung von Kindern darf nicht im Zuständigkeitsstreit zwischen den unterschiedlichen Finanziers aufgeweicht oder gar verhindert werden.“

Gern sagte, dass gute Vorschläge zu lange in der Schublade lägen: Das „Schulmittelbedarfspaket“ für Hartz IV-Kinder sei schon im letzten November vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Gespräch gebracht worden. Doch zum aktuellen Schuljahresbeginn gebe es noch nicht einmal einen Gesetzentwurf. Er forderte eine 20-prozentige Erhöhung des Kinderregelsatzes. Die anstehende Erhöhung des Kindergeldes müsse auch bei den über zwei Millionen Kindern und Jugendlichen im Hartz IV-Bezug wirksam werden.

Der NAK-Sprecher sprach weiter den Zusammenhang von Kinderarmut und Bildungsmisere an. Dass Kinder in armen Familien aufwachsen, sei dramatisch. Dass sich diese Verhältnisse verfestigten, sei noch dramatischer. „Die Abwärtsspirale setzt dann ein, wenn Familien in einer Welt aus Unsicherheit und Armut gefangen sind. Denn wenn aus Kindern armer Eltern arme Eltern werden, dann werden soziale Lebenschancen vererbt“, sagte Gern.
3. Auch die Diakonie in der rheinischen Landeskirche befasst sich mit dem Thema. Für kommenden Freitag hat der Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Trier zum Pressegespräch eingeladen. Anlass ist die jährliche Geschäftsführungskonferenz der Diakonischen Werke in der Evangelischen Kirche im Rheinland, die vom 18.-19.9.08 in Trier stattfindet. Und die diesmal zum Schwerpunktthema hat - na, was wohl? Richtig: "Armut - Kinderarmut".

4. Und noch einmal Pfalz: Das Forum "Kind und Kirche" der pfälzischen Landeskirche veranstaltet am 1. Oktober in Kaiserslautern einen Studientag (genauer: Studienabend) zum Thema. Im Zentrum der Veranstaltung unter dem Titel "Armut wahrnehmen - Teilhabe ermöglichen" stehen vor allem ein Vortrag der Frankfurter Politikwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin Gerda Holz sowie die Präsentation bereits bestehender Projekte in Kirchengemeinden.

An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass bereits im Deutschen Pfarrerblatt 6/2008 ein grundlegender und äußerst lesenswerter Aufsatz von Gerda Holz unter dem Titel "Armut bei Kindern - eine deutsche Wirklichkeit. Handlungsansätze einer kindbezogenen Armutsprävention" erschienen ist, der auch im Internet verfügbar ist.

Donnerstag, 4. September 2008

Ich tue mir schwer mit "Ich tue mich schwer"

Das scheint eine eher regional verortete Sache zu sein: Umgangssprachlich, von meiner saarländischen Herkunft her, bin ich gewohnt, "Ich tue mir schwer damit" zu sagen. Jetzt, wo ich den Satz vor mir in einer zu redigierenden Rundfunkandacht lese, kommt er mir irgendwie falsch vor. Und weil mir dieses Problem vor kurzem bereits irgendwo begegnet ist, schlage ich endlich im Duden nach. Und der sagt:
- ich habe mich, selten mir damit schwergetan (ugs.)
Geht also beides. Aber ich korrigiere es dann doch in die laut Duden häufiger verwendete Form.