Sonntag, 30. November 2008

Es ist genug für alle da! - 50 Jahre "Brot für die Welt"

„Es ist genug für alle da“, sagt die Mutter beim Kindergeburtstag, wenn das Chaos ausbricht, weil endlich die Spaghetti auf den Tisch kommen und sich alle gleichzeitig bedienen wollen.

„Es ist genug für alle da“, denkt sich erleichtert der Pauschalurlauber beim Anblick des gigantischen Buffets im 5-Sterne-Hotel, all you can eat, all inclusive.

„Es ist genug für alle da“ – behauptet die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt“. Heute wird sie wieder eröffnet – zum 50. Mal. Und das Motto der Jubiläumsaktion? Es lautet „Es ist genug für alle da“.

Genug für alle auf der Welt. Genug an Brot, genug an Arbeit, genug an Bildung, genug an Gesundheitsvorsorge. Das klingt – auf die ganze Welt bezogen – provokant, zumindest aber trotzig. Es ist eine Kampfansage gegen alle, die behaupten: „Na ja, es reicht halt nicht für alle. Kann man nichts machen. Wer in einer armen Region der Erde geboren ist und lebt, hat eben Pech gehabt.“

Nein. Es ist genug für alle da. Es ist nur nicht gerecht verteilt zwischen Nord und Süd, zwischen West und Ost, zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern.

„Brot für die Welt“ kämpft seit 50 Jahren für ein Stück mehr Verteilungsgerechtigkeit. Heute noch hungern über 930 Millionen Menschen, eine unvorstellbare Zahl. Und trotzdem: Es ist genug für alle da. Es muss nur dorthin kommen, wo es gebraucht wird.

Sonntag, 23. November 2008

Das Kreuz als Zeichen des Lebens

Es ist ein Unterschied, ob ich auf ein Kruzifix blicke oder auf das leere Kreuz. Das Kruzifix mit dem Corpus Christi richtet meine Aufmerksamkeit auf die Passion. Es stellt das Leiden Jesu sowie die Art und Weise, auf die er getötet wurde, in den Mittelpunkt. Es engt das Symbol des Kreuzes ein auf die eindimensionale Deutung als Folter- und Hinrichtungswerkzeug.

Im schlichten Kreuz scheinen zwei Dimensionen auf. Da verbindet sich der Mensch in der Waagerechten des Querbalkens mit der Erde und seinen Mitmenschen, in der Senkrechten des Längsbalkens mit dem Göttlichen. Da sind noch die Nachwehen des Todes, aber es hängt kein schändlich Hingerichteter und Leidender mehr daran. Da ist noch das Wissen darum, wozu Menschen dieses Werkzeug benutzt haben, aber auch der Glaube daran, was Gott daraus gemacht hat: ein Zeichen des Lebens, der Auferstehung. Genauso ist es auch ein Unterschied, wie wir den letzten Sonntag des Kirchenjahres nennen: Totensonntag oder Ewigkeitssonntag.

Und wie es protestantischen Christen gut ansteht, den Blick hoffnungsvoll auf das leere Kreuz der Auferstehung zu richten, so ist anzustreben, dass der Ewigkeitssonntag nicht nur so in der Agende steht, sondern auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht. Zwar ist er eine Silbe länger als der Totensonntag, und „ewig“ erscheint abstrakter als „tot“. Aber im Ewigkeitssonntag ist inbegriffen, dass die Verstorbenen, derer wir an diesem Tag in den Gottesdiensten gedenken, nicht verloren, sondern in den Armen des Ewigen aufgehoben sein sollen. Denn „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Matthäus 22, 32)

[erstveröffentlicht im Evangelischen Kirchenboten 47/2008, S.1]

Sonntag, 16. November 2008

Zum Volkstrauertag: Ein Moment der Schwäche im Leben meines Großvaters

Mein Großvater war ein kräftiger Mann. Einer, der anpacken konnte. Einer, der die Dinge am liebsten selbst erledigte, mit seiner eigenen Hände Arbeit. Einer, der ungern von anderen abhängig war.

Umso verständlicher erscheint mir heute, dass die eine Begebenheit in seinem Leben, von der er mehrfach erzählte, ein Moment der Schwäche war.

Es war kurz nach Kriegsende, er war zwanzig Jahre alt und auf dem Weg in die russische Gefangenschaft. Dass er es überhaupt bis zum Ziel schaffte, verdankte er einem Kameraden, der ihn stützte und mitschleppte, als ihm selbst die Kräfte versagten. Dieser Kamerad rettete meinem Großvater das Leben, denn, so erzählte er, wer nicht selbst laufen konnte, am Wegesrand liegen blieb, der wurde erschossen.

Letztlich verdanke damit auch ich mein Leben diesem für mich namenlos gebliebenen Kameraden.

Mein Großvater hat den Krieg und die Gefangenschaft überlebt. Doch obwohl er ansonsten nicht viel darüber gesprochen hat, konnte man ihm die Spuren anmerken, die diese Erfahrungen hinterlassen haben:

in seiner Ernsthaftigkeit,
in seinen Schwierigkeiten mit Gott und Glaube,
und selbst im liebevollen Umgang mit seinen Enkeln, woraus er möglicherweise schließlich Trost und Hoffnung zog.

Heute, am Volkstrauertag, gedenke ich nicht nur der vielen Toten, die aus Kriegen hervorgingen – sondern auch dessen, was Kriege in den Überlebenden angerichtet haben und immer noch anrichten.

Donnerstag, 6. November 2008

Ein Blog ohne Feed ist wie ein Frühstück ohne Nutellabrot

Toll. Da findet man über den Wikipedia-Artikel "taz" zum "Achtung: tazblog" von Hans Pfitzinger, freut sich drüber und will es seiner Google-Reader-Leseliste hinzufügen - und dann gibt's nicht mal einen Feed!

Schade, schade - die Chance, mindestens einen weiteren regelmäßigen Leser zu gewinnen (mich), wurde damit verpasst. Denn ohne Feed finde ich sicher nur höchst sporadisch wieder dorthin.

Mittwoch, 5. November 2008

Barack Obama und die Messiaserwartung

Kam mir gerade so in den Sinn:

Zu Jesu Zeiten projizierten viele Menschen in die Vorstellung des kommenden Messias ihre Hoffnungen auf einen, der mit dem Schwert dreinschlägt und das unterdrückte Volk mit Gottesgewalt vom Joch der Römer befreit. Beim neuen Messias Barack Obama erwarten irgendwie alle, dass er den Frieden bringt und die Welt durch ihn besser wird.

Jesus damals hat die Erwartungen vieler seiner Anhänger enttäuscht ...

Dienstag, 4. November 2008

Was ich lese und gelesen habe ...

... versuche ich einigermaßen regelmäßig bei Lovelybooks zu aktualisieren. Ich bitte die folgende unschöne iframe-Ansicht zu entschuldigen; Lovelybooks bietet derzeit leider weder einen RSS-Feed noch ein Blogwidget für die eigene Bibliothek an.