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Samstag, 24. Oktober 2009

Getauft? Keine Angst vorm Föhn!

Wenn Sie getauft sind: Vorsicht nach der morgendlichen Dusche bei der Verwendung des Haartrockners - ruckzuck könnten Sie sich Ihre Taufe weggeföhnt haben!

So'n Quatsch, meinen Sie? Sehe ich genauso. Aber so sieht ein aktueller Trend unter den so genannten Neuen Atheisten aus, vor allem im angelsächsischen Raum. Ent-Taufen nennt sich das; damit schwören überzeugte Atheisten dem Glauben ab: Ein falscher Pfarrer benutzt einen Föhn mit der Aufschrift "Vernunft", um das Wasser der Taufe symbolisch wegzublasen. Anschließend gibt’s ein Anti-Abendmahl: statt Brot und Wein Cracker mit Erdnussbutter. Und dann erhalten die Kandidaten ihr Ent-Taufungs-Zertifikat.

Es ist bedauerlich, dass es Menschen gibt, die ihre Taufe im Kindesalter im Nachhinein als Zwang und Bevormundung ansehen. Die Kirche und Glaube so erlebt haben, dass sie ihnen als etwas erscheint, demgegenüber sie alle Vernunft fahren lassen müssten. Zumindest hier im Land der Reformation treten Christen für das Bündnis von Glaube und Vernunft ein.

Bedauerlich ist auch, welches falsche Verständnis der Taufe in diesem Anti-Ritual zum Ausdruck kommt. Es ist völlig absurd – als wäre die Taufe irgendeine böse Hexerei, die mit einer Gegenhexerei behandelt werden müsste. Der Reformator Martin Luther schrieb einmal: "Die Sakramente werden nicht erfüllt, indem sie geschehen, sondern indem sie geglaubt werden." Es geschieht nichts Magisches in dem Moment, wenn das Wasser den Kopf des Täuflings berührt. Und die Lebensgemeinschaft, die Freundschaft zwischen Gott und Mensch, die mit der Taufe begründet wird, wird durch den Glauben erst endgültig besiegelt.

Glaube aber ist immer beides: Er ist mir einerseits gegeben, ein Geschenk – und ich habe ihn mir andererseits persönlich angeeignet und mich dafür entschieden.    Deshalb bleibt die Anti-Taufe nur ein Späßchen. Rückgängig machen geht nicht. Wo aber der Glaube nicht ist, spielt die Taufe für den Getauften ohnehin keine Rolle.

Aber: Gott ist offen. Die Taufe ist die lebenslang gültige Zusage der Vergebung und Liebe Gottes. Er ist lebenslang offen für Nähe zu ihm und Ferne von ihm.

Und wenn der Glaube zwischendurch entschwindet oder erst spät aufkeimt, dann kann ich dankbar dafür sein, dass – lange bevor ich mich für ihn entschieden habe – Gott sich schon für mich entschieden hat.

Also: Keine Angst vorm Föhn.

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Freitag, 23. Oktober 2009

Die vielen kleinen und die große Gute Nachricht

"Only bad news are good news" – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, sagt man in der Medienbranche. Katastrophen, Skandale, Kriege und Konflikte sind der Stoff, aus dem Sensationsmeldungen gestrickt sind.

Genug damit, sagten sich die Macher von WeSmile.de – und schufen eine Online-Community der guten Nachrichten. Eine "Gegenbewegung zum Übergewicht negativer Berichte in deutschen Nachrichtenformaten" soll WeSmile sein. "Positive Nachrichten und Erfolge, Impulse, Chancen und Helden des Alltags" sollen zu ihrem Recht kommen. Funktionieren soll das ohne eigene Redaktion, sondern jeder, dem eine gute Nachricht unterkommt, kann sie auf WeSmile.de einbringen und so allen anderen weitergeben.

Tolle Idee, finde ich, wenn das Projekt auch noch in den Kinderschuhen steckt und etwas mehr Aktivität gebrauchen könnte. Wir brauchen gute Nachrichten als Gegengewicht, viele davon sogar, viel mehr als schlechte Nachrichten – weil schlechte die Angewohnheit haben, sich viel stärker in unserem Bewusstsein einzugraben.

Gute Nachricht, das heißt auf griechisch euangelion – und wem das bekannt vorkommt, der hat Recht: Die Verfasser der Evangelien in der Bibel wollten nicht viele gute Nachrichten weitergeben, sondern nur die eine Gute Nachricht, diejenige von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Die vielen kleinen guten Nachrichten auf WeSmile.de, die bringen uns zum Lächeln. Die eine Gute Nachricht, die uns Gott übermittelt, die macht, dass wir – wie viele schlechte Nachrichten uns auch noch begegnen mögen – rundum und ganz und gar erlöst sind.

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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Vor 20 Jahren: Wie ich die friedliche Revolution erlebt habe

Vor zwanzig Jahren war ich sechzehn. In diesen Wochen zwischen dem 3. Oktober und dem 9. November versuche ich mich zu erinnern: Wie habe ich eigentlich damals, als Jugendlicher im Südwesten Deutschlands, die friedliche Revolution im Osten erlebt?

Die DDR war für mich weit weg, ein anderes Land, mit dem mich nichts verband. Wir hatten weder Verwandte noch Bekannte "drüben", und Politik hat mich damals reichlich wenig interessiert, wenn es nicht gerade um den Kampf gegen den Walfang, das Waldsterben oder Atomkraftwerke ging.

Zwei Begebenheiten haften mir aber im Gedächtnis. Die eine: Wir gingen ´89, wenige Monate noch vor dem Mauerfall, auf Klassenfahrt nach Berlin. Einen Tag verbrachten wir auch in Ost-Berlin. 25 Westmark wurden in 25 Ostmark umgetauscht, und dann mussten wir zusehen, wie wir die los bekamen, denn zurückgetauscht wurde nicht. Auf dem Rückweg erregte einer meiner Mitschüler Aufmerksamkeit: Er hatte ein Hemd in der Tasche, das mehr gekostet hatte als 25 Mark. Hatte er unerlaubt Westdevisen eingeführt? Nein, des Rätsels Lösung war einfacher, überstieg aber offenbar die Fantasie des real existierenden Sozialismus: Er hatte mit einem anderen Mitschüler zusammengelegt.

Die zweite Begebenheit, natürlich: die Fernsehbilder. Jubelnde und singende Menschen vor und auf der Mauer, strahlende, lachende Gesichter. David Hasselhoff singt "I've been looking for freedom".

Freiheit. Dass der Mensch frei ist, das gründet nach christlichem Verständnis darin, dass er von Gott geschaffen ist, und zwar: nach Gottes Bild geschaffen. Damit hat er eine unverlierbare Würde – auch in unfreien Verhältnissen. Manchmal erwächst aus dem Wissen darum die Kraft zum Aufbegehren, wenn die Unfreiheit zu groß wird.

Freiheit – das Über-Wort zu dieser Zeit. Ich wusste damals wenig über das System der Unfreiheit, das die Menschen so glücklich über seinen Untergang sein ließ. Aber schon diese kleine 25-Mark-Anekdote hatte mir einen Hauch des Gefühls vermittelt, was es bedeutet: derart ausgeliefert zu sein.

Nicht viel später brach sich das große Wunder Bahn. Wie groß es war, das verstand ich nun ein wenig besser.

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