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Donnerstag, 31. Dezember 2009

Erfüllte Zeit

Altpoertel Uhr SpeyerImage via Wikipedia
„Nächstes Jahr wird’s besser, ganz sicher.“

Silvester: Ein Jahr kommt zu seinem Abschluss, ein neues beginnt – und manch einer mag damit diese Hoffnung verbinden: „Nächstes Jahr wird’s besser“ – obwohl es doch eigentlich ein Tag wie jeder andere ist.

Wie oft erfahren wir unsere Zeit als unerfüllt. Dann hoffen wir, dass morgen, nächste Woche, nächsten Monat oder eben nächstes Jahr das eigentlich Wesentliche geschehen wird.

Manchmal aber erfahren wir sie doch: Augenblicke der Erfüllung. Dann scheint die Zeit still zu stehen, dann wird in einem Augenblick und an einem Ort alles gegenwärtig. Erinnern Sie sich: Bei welchen Gelegenheiten haben Sie sich in den vergangenen zwölf Monaten mit der Welt um Sie herum im Einklang gefühlt? Wo und wann haben Sie die Fülle der Zeit gespürt, erfahren, dass Gott Ihnen ganz nah ist?

War es der überwältigende Ausblick vom Gipfel eines Berges? War es die Geburt eines Kindes? Der Abschied von einem lieben Menschen, tränenreich und doch versöhnlich? Ein gutes Gespräch? Eine Familienfeier?

Solche Augenblicke werden uns geschenkt, damit wir uns in Zeiten der Gottesferne, wenn alles sinnlos und vergeblich erscheint, an sie erinnern.

Nehmen wir sie durch die Silvesternacht hindurch: mit ins Neue Jahr.


(Nach einem Text von Henri Nouwen)
[Dieser Beitrag ist auch als Rundfunkandacht im ProtCast Pfalz zum Hören erschienen]

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das Evangelium in zwei Buchstaben

100_6983Image by saksa2000 via Flickr
"Zusammenfassung des Evangeliums in zwei Buchstaben" – so könnte eine Kreuzworträtselaufgabe lauten. Hab’ ich noch nirgends gelesen, wäre aber möglich. Denn das Evangelium, die Gute Nachricht, die Frohe Botschaft Gottes für die Welt und uns Menschen, die lässt sich in zwei Buchstaben zusammenfassen: Ja.

Ja zur Welt – vom Anbeginn der Schöpfung: Gott sah, dass es gut war (Gen 1).

Ja zum Leben – trotz aller Widrigkeiten: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8, 22).

Ja zum Menschen in Not – „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ (Ps 23, 4).

Ja zu mir trotz meiner Fehler – „Gott … versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu“ (2. Kor 5, 19).

Ja zu jedem einzelnen Menschen – „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Tim 2, 4).

Ja sogar im Angesicht des Todes – „denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3, 16).

Noch eine Kreuzworträtselfrage: Gegenteil von Nein mit zehn Buchstaben?
Evangelium.

[Dieser Beitrag ist auch als Rundfunkandacht im ProtCast Pfalz zum Hören erschienen]


Dienstag, 29. Dezember 2009

Stille

Praha : TacetImage by pikadilly via Flickr
Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt, zwischen den Jahren, ein wenig Stille genießen können. Denn schon ein biblischer Psalmbeter rät: „Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.“ (Ps 37, 7) Und der Prophet Jesaja ergänzt: „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“ (Jes 30, 15).

Eigentlich gehört sie ja schon in die Vorweihnachtszeit, die Stille, aber wie das heutzutage so ist: Gerade dann ist sie schwer zu finden. Aber vielleicht klappt es jetzt für Sie – wo die hohen Festtage vorbei sind, Silvester und Neujahr erst noch kommen. Selbst wenn Sie nicht frei haben, sondern arbeiten, läuft es wahrscheinlich und hoffentlich etwas ruhiger als sonst.

Augenblicke der Stille – Mir persönlich werden sie immer wichtiger. Denn auch die Kraft zum Glauben, die Kraft zum Tun dessen, wovon uns gesagt ist, dass es gut ist – sie kommt: aus der Stille.

Das heißt nicht immer: Absolute Stille um mich herum. Die gibt es gar nicht. Selbst in der freien Natur nicht: Da plätschert ein Bach, da zwitschern Vögel, da zirpen Grillen. Und wenn ich alle Außengeräusche abschalte – dann höre ich mein eigenes Blut rauschen.

Stille heißt deshalb nicht unbedingt: möglichst alle Außengeräusche abschalten. Für den einen oder die andere mag das so sein. Doch was ich als eine Stille wahrnehme, die mich öffnet, die mich wieder in Einklang mit mir selbst, mit meinem Nächsten, mit der Schöpfung bringt, die mich wieder das Grundvertrauen lehrt – das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Das Entscheidende ist, sich das Bewusstsein dafür zu bewahren.

Den Kairos, den rechten Augenblick, erkennen, wenn er sich ergibt, auch mitten im Alltag – und ihm dann nachhängen, sich ihm hingeben, und sei es nur für ein paar Minuten. Eine innere Haltung gewinnen, die einen Platz freihält für Gott in der Stille der eigenen Seele, denn: „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“

[Dieser Beitrag ist - leicht gekürzt - auch als Rundfunkandacht im ProtCast Pfalz zum Hören erschienen]

Montag, 28. Dezember 2009

Unschuldige Kinder

2008 09-07 09-08 Dänemark 242 Moen, KeldbyImage by Allie_Caulfield via Flickr
Mit vorgehaltenen Gewehren stürmen Soldaten ein Dorf. Frauen und Männer nehmen sie gefangen, die Kinder erschießen sie auf der Stelle. So geschieht es immer wieder auf der Welt – in allen Kriegen und „kriegsähnlichen Zuständen“.

Unschuldige Kinder werden zu Opfern. Nicht nur durch Waffen, auch durch sublimere Gewalt: Millionen haben zu wenig oder zu schlecht zu essen.

So viele waren es vor 2000 Jahren, in Bethlehem, nicht – eher ungefähr ein gutes Dutzend: Knaben unter zwei Jahren, die König Herodes, wie es heißt, zu töten befahl. Im Kirchenkalender steht heute deshalb: der Tag der unschuldigen Kinder.

Ob diese Geschichte historisch ist oder nur eine Legende – Unsere Welt ist eine, in der Kinder umgebracht werden. Und genau in diese Welt schickt Gott seinen Sohn.

Der wird zum Hoffnungszeichen: die Welt muss nicht so bleiben wie sie ist. Wer das Kind in der Krippe in seiner Wehrlosigkeit und Armut sieht, wer ihm nachfolgen, ihm helfen und es schützen will, der muss protestieren gegen Machtgier, Hass und Größenwahn; der muss den Kreislauf der Gewalt durchbrechen. Wo und wie bin ich selbst darin verstrickt? Darüber nachzudenken, dazu ruft uns das Kind auf.

[Dieser Beitrag ist auch als Rundfunkandacht im ProtCast Pfalz zum Hören erschienen]