Sonntag, 24. April 2011

Judas oder Jesus - wer starb zuerst?

Am Karsamstagabend erreichte mich per Facebook-Nachricht folgende Anfrage:
Können Sie mir folgende Frage beantworten?
Wer starb zuerst? Jesus oder Judas?
Dem ersten Impuls, sofort die für mich naheliegende Antwort ("Judas") zu geben, gab ich glücklicherweise nicht nach. Ich wollte mich lieber selbst noch einmal versichern - und war überrascht, denn die Frage ist gar nicht eindeutig zu beantworten.

Die gängige Deutung schließt an den Bericht des Evangelisten Matthäus an, Kapitel 27, Verse 3-9: Dort bereut Judas seinen Verrat, als er davon hört, dass Jesus hingerichtet werden soll - und erhängt sich, nachdem er den führenden Priestern die 30 Silberlinge zurückgebracht hat. Er stirbt also zeitlich vor Jesus. Die Priester kaufen von dem Geld ein Stück Land als Friedhof für Ausländer. Weil an dem Geld Blut klebt, heißt das Stück Land fortan "Blutacker".

Die anderen Evangelien (Markus, Lukas, Johannes) berichten überhaupt nichts vom Tod des Judas. Allerdings lässt Lukas in seiner Apostelgeschichte, Kapitel 1, Verse 16-20, Petrus eine andere Version erzählen: Judas habe von dem Geld selbst ein Landgut gekauft und sei dort so schlimm gestürzt, dass er starb. Darum heißt das Landgut nun "Blutacker". In diesem Fall wäre Judas nach Jesus gestorben - ansonsten müsste man annehmen, er hätte das Landgut in der kurzen Zeitspanne zwischen dem Verrat und dem Tod Jesu erworben.

Die Stelle Apg 1,16-20 war mir bis dato gar nicht bewusst gewesen; ohne Nachprüfung hätte ich gesagt: Judas starb vor Jesus.

Samstag, 23. April 2011

Was, wenn Christus ... #Ostern #Gedicht

Was, wenn Christus
am Morgen des dritten Tages
so träge gewesen wäre
wie ich

Wenn er
das Läuten des Weckers
nicht gehört
ihn ausgeschaltet
sich umgedreht hätte
in seinem Grab
liegen geblieben wäre

Die Frauen draußen
nur den schweren Stein
vorgefunden hätten
unverrichteter Dinge
wieder umgekehrt wären

Wäre das nicht
der wahre Skandal
Christus der Retter
zur Arbeit
nicht erschienen
unentschuldigt

Das "Hasenfest" und die Religionsfreiheit

Transportiert es den Sinn des christlichen Festes eher, wenn Thalia nun wieder für "die schönsten Geschenke zum Osterfest" wirbt statt "zum Hasenfest"? Wohl kaum. Die einzige Botschaft, die vermittelt wird, ist: Kauft bei uns etwas zum Verschenken! Worum es bei diesem Fest aus christlicher Sicht geht, wird nicht thematisiert. Ob da nun die Bezeichnung "Osterfest" oder "Hasenfest" steht, macht aus der, sagen wir, "positiven Verkündigungsperspektive" keinen Unterschied. Ist ja auch nicht die Aufgabe dieser Buchhandelskette.

Hat sich aber Thalia mit der Umwidmung des wichtigsten christlichen Festes im negativen Sinn eine Verunglimpfung bzw. Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses gemäß § 166 StGB zuschulden kommen lassen? Ich halte das für unwahrscheinlich, weil das geschützte Rechtsgut nicht das Bekenntnis selbst, sondern der öffentliche Friede ist. Bis der mal als gestört angesehen wird, muss für die heutige Anwendung des Paragrafen schon Deutlicheres/Drastischeres vorliegen.

Hinzu kommt, dass Thalia keine böse Absicht zu unterstellen ist. Es sollte ein harmloser Werbegag sein; so war es sicher gemeint (so weit man bei Werbung überhaupt von "harmlos" sprechen kann; schließlich stecken dahinter stets knallharte Kommerzinteressen, aber das nur nebenbei).

Habe ich mich sonderlich über Thalias "Hasenfest" aufgeregt, geärgert, oder gar mein religiöses Bekenntnis verunglimpft gesehen?
Nein, eigentlich nicht.
Finde ich es gut, dass Thalia die Hasenfest-Werbung aufgrund von christlicher Kritik wieder zurückgezogen hat?
Ja, weil es eine Anerkennung und Respektsäußerung denjenigen gegenüber ist, die ihre religiösen Gefühle durch die Umwidmung des Festes tatsächlich verletzt sahen. Es tut Nichtchristen weniger weh, wenn vom Osterfest die Rede ist, als es Christen weh tut, wenn vom Hasenfest die Rede ist. Deshalb ist hier Toleranz von Nichtchristen gefordert.

Stattdessen werfen nun mal wieder antikirchlich eingestellte Blogger und Kommentatoren den Christen und der Institution Kirche "Gängelei" und "Zwang" vor. "Die Christen können ja Ostern sagen, was müssen sie mir den Begriff aufzwingen?" - oder ähnlich, bei anderer aktueller Gelegenheit: "Die Christen können an Karfreitag ja lange Trauergesichter machen, aber warum soll ich dann nicht tanzen dürfen, wenn ich mit dem Glauben nichts anfangen kann?"

Und darüber kann ich mich nun allerdings aufregen. Denn in diesen Äußerungen der Online-Atheisten liegt eine ungeheure Infamie. Auf den ersten Blick klingen sie ach so aufgeklärt, tolerant, Freiheit für alle, soll doch jeder tun und lassen, was er will und die anderen in Ruhe lassen. Was dahinter steckt, ist aber nichts anderes als die Forderung nach Verdrängung des Religiösen aus dem öffentlichen Raum: Religion ist Privatsache und soll gefälligst dorthin verschwinden und mir in der Öffentlichkeit nicht mehr begegnen (= mich nicht in meiner Selbstentfaltung begrenzen). Diese Haltung ist das genaue Gegenteil von Toleranz und eine eminente Fehldeutung der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit. Die Atheisten bringen es fertig, ihre eigene Intoleranz als größere Toleranz zu verkaufen.

Religionsfreiheit fordert vor allem Toleranz gegenüber dem religiösen Bekenntnis des anderen - und zwar gerade auch, indem ich dessen Öffentlichkeit zulasse und akzeptiere, dass ich ihm in der Gesellschaft immer wieder begegne.
Religionsfreiheit bedeutet nicht, alle religiösen Spuren aus der Öffentlichkeit zu wischen, damit sich die Nichtreligiösen nicht belästigt fühlen. Das würde nämlich alle Weltanschauungen benachteiligen und unterdrücken außer der atheistischen.

Es geht nicht darum, einer Buchhandelskette vorschreiben zu wollen, wie sie mit einem christlichen Fest umzugehen hat. Es hätte keine juristische Handhabe für die Kirchen gegeben, Thalia die Rückbenennung von Hasenfest in Osterfest vorzuschreiben. Und das ist völlig richtig so.

Es geht aber um das Recht religiös geprägter Menschen, öffentlich ihren Glauben zu bekennen - oder öffentlich ihrem Schmerz und Protest Ausdruck zu verleihen, wenn sie diesen Glauben verletzt sehen. Wie Thalia damit umgeht, ist ganz allein deren Sache. Wie allerdings dieses Recht in der jüngsten Zeit immer und immer wieder in Frage gestellt wird und die ihr Recht Wahrnehmenden polemisch angegangen und mit Unterstellungen beladen werden, das geht alle an.

Weitere Artikel zu diesem Thema:
1. Die Kirche ist empört - Thalia macht Oster- zu Hasenfest (18.04.2011)
2. Mir scheint ... (19.04.2011)
3. Christen hassen Hasen! (19.04.2011)
4. Hasenfest: Thalia entschuldigt sich (20.04.2011)
5. Hasenfest? (21.04.2011)
6. Antwort an Andrea (22.04.2011)
7. Osterhasi, Aufstandi, Auferstandi (22.04.2011)
8. "Stille Tänzer" am Römer - 1500 protestieren gegen Tanzverbot (22.04.2011 )
9. Der Herr des Tanzes (22.04.2011)
10. Flashmob gegen Tanzverbot in Frankfurt (22.04.2011)
11. Wer am Hasenfest hoppeln will, bitte! (22.04.2011)
12. Hasenfest und Tanzverbot (23.04.2011)

Freitag, 22. April 2011

Wir sehen Jesus Christus leiden und sterben #Karfreitag

Wir sehen Jesus Christus
leiden und sterben.
Er geht den Weg,
auf den ihn Gottes Liebe treibt.
Nirgends ist er uns näher
als dort, wo es ihm schwer fällt,
Gottes Willen anzunehmen.
Dennoch ist er gehorsam bis zum Tod.
Nirgends ist er uns näher
als dort, wo er schreit:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Dennoch hat er sich erniedrigt
und das Kreuz auf sich genommen.
Sein Kreuz schreit für alle Kreuze,
unter denen Menschen stöhnen.
Sein Kreuz ist auch Gottes Antwort auf alle Kreuze,
die auf Menschen lasten.
Hier entlastet er die Schuldigen.
Hier ist er nahe den Leidenden.
Hier tritt er an die Seite der Erniedrigten und Gequälten.

(Quelle: Kirchenagende der Evangelischen Kirche der Pfalz, 2006, Bd. I, S. 417)