Freitag, 18. Mai 2012

Spielplatzrebellen

Da, wo ich wohne, fast direkt vor unserer Haustür, gibt es einen kleinen Kinderspielplatz. Einen sehr kleinen. Aber er ist der zentrale Treffpunkt für alle Kinder aus der Nachbarschaft, die Kleinsten wie auch die Älteren. Und das war und ist gar kein Problem: Die Älteren nehmen Rücksicht, räumen sofort die Schaukel, wenn Kleine auf den Spielplatz kommen, helfen ihnen sogar rauf und schubsen sie an.

Dann, eines Tages, war ein grünes Schild an der Umzäunung angebracht: „Kinderspielplatz“, darunter: „für Kinder unter sechs Jahren“.

Schon am nächsten Tag hatte jemand das „unter sechs Jahren“ weggekratzt, irgendwann stand nur noch „Inderspielplatz“ da, dann wurden sogar wieder Buchstaben hinzugefügt, seitdem ist es ein „Blindenspielplatz“. Kreativ, finde ich.

Jaaa, es ist Sachbeschädigung, und nein, so etwas tut man nicht. Aber ich musste doch schmunzeln angesichts dieser kleinen Spielplatzrebellion.

Denn: Ist es wirklich nötig, auch dort nach Schema F zu handeln und etwas ganz offiziell zu regeln,
  • wo ungeschriebene Regeln gelten 
  • wo sich gutes Miteinander ganz von selbst etabliert hat 
  • wo niemand die anderen in ihrer Freiheit einschränken muss, weil alle mit ihrer Freiheit umzugehen wissen?
„Seht zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird!“, schreibt der Apostel Paulus in ganz anderem Zusammenhang an seine Gemeinde in Korinth (1. Kor 8,9). Wo sich alle ganz von selbst an diese einfache Regel halten, da braucht es kein Schild, das den einen etwas erlaubt und es den anderen verbietet.

UPDATE .... das (vorläufige) Ende vom Lied: Die Rebellion schnöde niedergeschlagen. :-(
 ... abgesehen davon, dass der Fußballspieler auf dem Schild einmal durchgestrichen war :-)

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