Freitag, 8. Februar 2013

Twittern im Gottesdienst?


Noch vor wenigen Jahren war ich der Meinung: Handys haben im Gottesdienst nichts zu suchen. Aus Höflichkeit und Respekt und Ehrfurcht und so. Inzwischen hat sich das geändert. Denn inzwischen habe ich Twittergottesdienste erlebt und mitgefeiert.


Twitter, der Internetdienst, der ausschließlich mit 140-Zeichen-Meldungen auskommt. Die Gottesdienstliturgie wird in solche 140-Zeichen-Häppchen aufgeteilt und so fast "live" ins Netz übertragen. Wer will, kann den Gottesdienst dann von überall verfolgen - zu Hause am Schreibtisch-PC, in der Bahn übers Smartphone, im Internetcafé.

Es gibt also einerseits die übliche Gottesdienstgemeinde im Kirchengebäude vor Ort - hinzu kommt aber noch die Gottesdienstgemeinde im Internet. Diese "virtuelle" Gemeinde ist dabei sehr real, denn auch sie reagiert via Twitter auf Diskussionsimpulse aus der Predigt oder beteiligt sich an den Fürbitten mit eigenen Gebetsanliegen. Diese Rückmeldungen sind für alle im Internet zu sehen - und werden im Gottesdienstraum per Beamer an die Wand geworfen.

Ich war überrascht, beeindruckt und bewegt, wie die technischen Hilfsmittel es offenbar vielen erleichterten, sich in den Gottesdienst persönlich einzubringen. Und mich berührte die Erfahrung, wie sich die Grenzen des einzelnen Kirchenraums öffneten, aufgrund des Bewusstseins: jetzt, in diesem Augenblick feiern noch andere diesen Gottesdienst mit. Sie sind nicht körperlich anwesend, aber im Geiste. Die Gottesdienstgemeinschaft verknüpft und vernetzt sich übergemeindlich.

Den herkömmlichen Sonntagsgottesdienst wird diese Form so bald nicht ersetzen. Aber Offenheit und Mut, solche Erfahrungen zu ermöglichen, das wünsche ich mir. Und Kirchen, in denen nicht mehr das Schild hängt: "Bitte schalten Sie Ihr Handy aus." Sondern: "Bitte schalten Sie Ihr Handy lautlos. Auf Gottesdienstinhalte bezogenes Twittern ist ausdrücklich erwünscht."

Kommentare:

  1. DAs ist eine faszinierende Idee. Twitter hat da mehr Potentail als Facebook. Das probiere ich mal aus.

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  2. Ach, das wäre noch die Frage. Siehe meinen Rückblick auf das BarCamp 2011, zur Session 7: http://intelligentesleben.blogspot.de/2011/05/ruckblick-aufs-barcamp-kirche-im-web-20_14.html
    Dort habe ich - ausgehend vom TwiGo - die Frage gestellt, welches Potential ein Facebook-Gottesdienst hätte. Im Kommentarbereich gab's daraufhin eine (kleine) Diskussion.

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