Samstag, 14. Mai 2011

Rückblick aufs Barcamp Kirche im Web 2.0 - Teil 2 #kir20bc

[zu Teil 1 meines Barcamp-Rückblicks]

Meine noch im Laufe des Barcamps erstellten Folien zum "Neuen Atheismus im Web 2.0", bildeten, so mein Eindruck, eine recht gute Diskussionsgrundlage für die an Session 6 Interessierten. Natürlich erheben sie weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Abgeschlossenheit:

Die Idee, ein Buch (das ja auch von mehreren Autoren, z.B. mit Hilfe von Google Docs, verfasst werden könnte), ein Wiki oder eine FAQ (Vorschlag aus der Runde) über "Die Klischees der Neuen Atheisten" anzugehen, stieß auf erfreuliche Resonanz. Bei Gelegenheit werde ich mich einmal an einer etwas detaillierteren Projektskizze versuchen. Ich glaube übrigens, dass ein solches Werk - trotz des leicht polemischen Arbeitstitels - keine Kampfansage an die Adresse der Neuen Atheisten wäre, sondern ausgehend von schlicht und ergreifend sachlich falschen Aussagen oder einseitigen Interpretationen auf ein kleines Kompendium der Grundlagen des christlichen Glaubens (Existenz Jesu, Bedeutung der Bibel) und des Verhältnisses von Kirche bzw. Religion und Staat hinausliefe. Ich stelle mir fundierte, mit Quellen belegte Sachinformation vor - was erhellende illustrierende Beispiele oder Vergleiche nicht ausschließt, wohl aber primitive Gegenpolemik.

In Session 7 fand sich ein kleines Grüppchen Barcamp-Teilnehmer/innen zusammen, um die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für einen Twittergottesdienst am Sonntagmorgen festzulegen. Zu Heiko Kuschels ausführlichem Bericht über dieses liturgische Experiment will ich nur noch folgende Punkte hinzufügen:

- Zunächst einmal war es eine Freude, mit Heiko gemeinsam am Abend (während andere sich in der Ebbelwoi-Kneipe vergnügten, die wir allerdings schon am Vortag genossen hatten) diesen Gottesdienst vorzubereiten. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich zwei, die einander zuvor nie begegnet waren und zudem noch verschiedenen landeskirchlich-liturgischen Traditionen entstammen, zusammensetzen, auf Anhieb eine gemeinsame Linie finden und ohne größere Stolpersteine "rund" bekommen. Eine wichtige Grundlage dafür war freilich Heikos Vorschlag, die "Gemeinschaft der Eiligen" zum Thema zu machen, worauf ich mich sofort einlassen konnte. Wie daraufhin eine Idee die andere ergab und gemeinsam ein Ganzes entstand, war eine wunderbare Erfahrung, für die ich Heiko danke, aber auch den Organisatoren des Barcamps, das ja den äußeren Rahmen vorgab. Und natürlich ist allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Twigo zu danken, ob vor Ort in Frankfurt oder irgendwo sonst am Bildschirm, denn sie gönnten auch uns Liturgen eine nicht alltägliche Erfahrung. Wie oft kommt es schon vor, dass man als Prediger vor der Herausforderung steht, Eingaben der Gottesdienstgemeinde mit aufzugreifen und spontan in die Ansprache hinein zu verflechten?

- Für kommende Twittergottesdienste sind Urheberrechtsfragen zu klären, was die Verwendung von Bibeltexten, Liedblättern, Live-Musik und ihre Übertragung ins Netz betrifft (sei es per Twitter- oder Audio- oder Videostream). Bezogen auf Bibeltexte ist das Projekt "Offene Bibel" ja schon auf einem guten Weg. Ist Ähnliches im Hinblick auf Liedgut denkbar? Gemeinfreie Lieder könnten (z.B. online mit Noteflight oder offline mit MuseScore) neu gesetzt und damit auch das Notenbild gemeinfrei gemacht werden (vgl. diese Sammlung gemeinfreier Weihnachtslieder). Textlich müsste man dann allerdings zum Teil auf nicht mehr ganz zeitgemäße Varianten zurückgreifen. Auf NGL (Neue Geistliche Lieder) müssten wir ganz verzichten (was manche wohl gar nicht schlecht fänden). Möglicherweise gibt es aber ja sogar begabte Liedschreiber in unseren Barcamp-Reihen, die etwas von diesem Handwerk verstehen? Vielleicht könnte auch hier manches in Online-Zusammenarbeit entstehen?

- Und schließlich habe ich mich gefragt, welche Möglichkeiten die Plattform Facebook für einen Online-Gottesdienst böte. Möglich wäre, dort eine Gottesdienst-Gruppe zu gründen. Der Gottesdienst selbst könnte hauptsächlich im Gruppenchat ablaufen. Die Gruppen-Pinnwand könnte sich für Bildmeditationen eignen: das Bild auf die Pinnwand posten, eine kurze Auslegung dazu in den Kommentar. Die Gottesdienstteilnehmer könnten mit weiteren Kommentaren reagieren. Auch könnte man auf der Pinnwand Audiodateien oder Youtube-Videos zu den Liedern verlinken. Bisher habe ich noch an keiner Chat-Andacht auf evangelisch.de teilgenommen. Was meint ihr: Welche Vor- und Nachteile hätte ein solcher Facebook-Gottesdienst gegenüber der Plattform evangelisch.de?

Session 8 berief ich ein mit der Begründung, ich bräuchte noch eine definitive dienstliche Rechtfertigung für meine Anwesenheit auf dem Barcamp. Das Thema lag damit nahe: Welche Erfahrungen gibt es mit der Entwicklung einer Social Media Strategie für Landeskirchen (durch Andreas Artikel ging mir auf, wie unökumenisch ich bei dieser Themenankündigung dachte. Also:) und Diözesen? Wie sehen aktuelle landeskirchliche Facebook-Seiten aus? Wer steht dahinter? Welche Ziele werden damit verfolgt? Hier meine Mitschrift dieser Session:
kir20bc - social media strategie für die landeskirche

In Session 9 ging es noch um die Unterschiede zwischen Gemeindebrief, Web 1.0 und Web 2.0, die Feststellung, dass alle Medienformen sich gegenseitig ergänzen und Gemeinden deshalb das eine tun und das andere nicht lassen sollten - und dann war bei mir die Luft raus, so dass ich Session-Slot 10 ausließ. Die einzige angesetzte Session war Jens Neuhaus mit "Gemeinde 2.0". Hier sein öffentliches Brainstorming-Notizbuch dazu: http://ietherpad.com/aj7t1xXz31.

Eine gemütliche Dreiviertelstunde im personell eher spärlich besetzten Plenumssaal mit der Atmosphäre des beginnenden Anfangs vom Ende des Barcamps war dagegen genau das, was ich zum Ausklang dieser insgesamt äußerst gewinnbringenden Tagung brauchte. Wenn es terminlich passt, bin ich im nächsten Jahr wieder dabei!

Wer über die in meinem Rückblick Verlinkten hinaus sonst noch übers Barcamp schrieb (die meisten der folgenden Links sind frech geklaut bei Benjamin Koppe):

Kommentare:

  1. "Was meint ihr: Welche Vor- und Nachteile hätte ein solcher Facebook-Gottesdienst gegenüber der Plattform evangelisch.de?"

    Ich finde die Idee ziemlich spannend und kann im Moment auf FB nur Vorteile sehen. Auf FB vernetzt sich die Welt, während evangelisch.de doch nur eine eng begrenzte Usercommunity hat. Leute ließen sich bei FB wahrscheinlich problemloser einladen (weil sie da ohnehin schon sind), wodurch sich auch ein gewisser Outreach-Effekt erreichen ließe - falls man das will. Und die technischen Möglichkeiten (die du oben beschrieben hast) sind bei FB einfach reichhaltiger und schneller.

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  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Ingo!

    Dann will ich mal - als intensiver Facebook-Nutzer - daran versuchen, eine Lanze für evangelisch.de zu brechen, und zwar vor dem Hintergrund von Überlegungen, wie sie in einer der Sessions auf dem Barcamp angestellt wurden. Dabei ging es um die Tatsache, dass Andachtsräume im Real Life ja bewusst gestaltet werden können bzw. von vornherein bereits für Gottesdienstliches gestaltet sind (Kirchengebäude). Natürlich kann man sich für die Chat-Andacht zu Hause eine Kerze anzünden etc. Aber was man auf dem Bildschirm sieht, könnte ja auch dem Anlass entsprechend aussehen (Farbgebung, virtuelle Kerzen, christliche Symbolik).

    Wenn wir nun einen virtuellen Andachtsraum bewusst gestaltet haben wollen (und wir nicht gerade den Aufwand eines Kirchenbaus in Second Life auf uns nehmen wollen), dann kann sich das evangelisch.de-Team darauf einlassen, wird es vermutlich sogar gerne tun, während diese Möglichkeit bei FB wahrscheinlich gar nicht bestehen wird.

    Das mal als ein Argument pro evangelisch.de - vielleicht braucht man ja auch gar nicht beides gegeneinander auszuspielen ...

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  3. In Sachen virtueller Gottesdienst spricht aus meiner Sicht vieles für evangelisch.de und - außer dem Outreach-Argument - eher wenig für Facebook. Das gewichtigste Gegenargument ist meines Erachtens nach die fehlende Kontrolle über die Plattform - als Facebook-Nutzer weiß man ja schon, dass sich alle paar Wochen oder Monate kleine und manchmal auch große Veränderungen ergeben, ohne das eine "Vorwarnung" der Nutzer stattfindet. Eine solche Plattform mag zwar zum Networken gut geeignet sein, bietet jedoch keine ausreichend stabile Umgebung für Veranstaltungen wie virtuelle Gottesdienste, für die man einigermaßen feste Strukturen benötigen würde...

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