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Dienstag, 5. Februar 2013

Ein-Bildung


Wir bilden uns Gott ein.
Hurra, jubeln jetzt alle Atheisten, endlich hat er's erkannt: Gott, das ist eine literarische Erfindung, eine Projektion unserer Wünsche und Hoffnungen, eine selbstgebastelte Krücke, die uns über Ängste und Unsicherheit unserer Existenz hinweghelfen soll. Eben: Wir bilden uns Gott ein.

Aber natürlich wäre das vorschnell. Natürlich lasse ich das nicht so stehen. Natürlich habe ich noch einen Hintergedanken. Und zwar frage ich: Wie wäre es denn gerade umgekehrt: Gott bildet sich uns ein.
Das heißt dann zunächst: Gott hat sich uns ausgedacht. Wir sind seine Erfindung. Er hat seine Geistkraft eingesetzt, um uns lebendig zu machen. An uns übt er seine Kreativität. Auf uns projiziert er seine Liebe. In uns investiert er sein Herzblut. Wir sind Gottes Lebenswerk.

Gott bildet sich uns ein. Er hat sich uns ein-gebildet.
Das heißt auch: Er hat uns sein Bild eingeprägt. Sind wir Gedanken Gottes, dann kommen wir direkt von ihm her. Entspringen wir seiner Imagination, dann haben wir unser Image von ihm. So steht es in der biblischen Schöpfungsgeschichte: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (Gen 1,27)

In diesem Sinn lasse ich mir gerne etwas einbilden.
Ohne eingebildet zu sein.
Wie wird mein Bild aussehen, wenn es fertig ist?
So wie Gott es sich gedacht hat? So wie ich es mir gedacht habe?
Oder bekommen wir beides sogar irgendwie zusammen?

Samstag, 6. Oktober 2012

Geschenkte Zeit


Vor nicht ganz 18 Jahren hat ein Kleinbus nachts eine rote Ampel überfahren und ist mir genau in die Fahrerseite gekracht. Meine beiden Mitfahrer wurden leicht verletzt, dachten aber minutenlang, ich wäre tot, als ich bewusstlos über dem Steuer hing. Mit einer Gehirnerschütterung, einem gebrochenen Jochbein, die Wange aufgerissen, kam ich ins Krankenhaus.

Dort hatte ich Zeit zum Grübeln. Eigentlich war es Glück im Unglück: Es hätte ganz anders enden können.
Trotzdem: Eine wundersame Bewahrung konnte ich darin nicht erkennen. Ein Schutzengel, der ordentliche Arbeit macht, hätte doch wohl früher eingegriffen.

Als junger Student geriet Martin Luther in einen schweren  Gewittersturm. Ganz in seiner Nähe schlug ein Blitz ein, woraufhin er gelobte: „Ich will ein Mönch werden.“
Irgendwie habe ich darauf gewartet, dass mein Unfall auf mich auch so einschneidende Wirkung ausübt. Nicht gerade, dass er mich ins Kloster führt. Aber doch eine Erleuchtung, ob ich mich irgendeiner besonderen Aufgabe widmen soll. Ist nicht passiert.

Aber anderes ist passiert seitdem.
Nahe Verwandte sind gestorben.
Meine Kinder wurden geboren, und ich sehe sie aufwachsen.

Und ich erkenne je länger je mehr: wie brüchig das Leben ist, wie wenig selbstverständlich. Wie sehr meine Zeit hier geschenkte Zeit ist.

Es geht nicht darum, ob ich wie durch ein Wunder aus dieser Gefahr errettet oder von jener Krankheit geheilt werde.
Sondern darum, dass das Leben überhaupt ein Wunder ist.
Danke dafür, guter Gott.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Irrational: Immer noch kein Organspenderausweis


Ich habe noch immer keinen Organspenderausweis. Dabei ist es nicht so, dass ich das für mich bereits entschieden

Donnerstag, 11. März 2010

Warum die Kirche für islamischen Religionsunterricht eintritt

Es gab einmal eine Zeit, als die Forderung, alle sollen Religionsunterricht erhalten, eine revolutionäre war. Denn sie war mit enthalten in der Forderung: Allgemeinbildung für alle, Jungen wie Mädchen von klein auf. Erhoben haben diese Forderung Martin Luther und Philipp Melanchthon in Wittenberg schon vor fast 500 Jahren. Denn jeder und jede sollte sich selbst über die Inhalte des Glaubens informieren und ein Urteil bilden können.

Heute nun setzen sich evangelische wie katholische Kirche für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen ein. Das hätte Luther und Melanchthon wohl doch – gelinde gesagt – verwundert. Überhaupt: Dass über vier Millionen Muslime in Deutschland leben, wäre für die beiden vermutlich ein Anzeichen des nahenden Gottesgerichts gewesen. Fürchteten Sie sich doch vor der "Türkengefahr". Denn 1529 griffen die Türken Wien an und standen damit an den Grenzen des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation.

Dass sich ausgerechnet die christlichen Kirchen für das Schulfach Islamische Religion einsetzen, verstehen viele auch heute nicht. Aber: der Religionsunterricht ist kein Vorrecht der Kirchen, sondern ein individuelles Grundrecht. Jeder und jede hat das Recht auf Bildung auch in Fragen der Religion. Aus diesem Grund fordern die Kirchen das Recht auf Religionsunterricht auch für muslimische Schülerinnen und Schüler. Auch diese sollen sich in der Schule mit ihrem Glauben auseinandersetzen können – in deutscher Sprache und mit dazu eigens an den Universitäten ausgebildeten muslimischen Theologen.

Mit dem Religionsunterricht an staatlichen Schulen und der Theologie an den Universitäten ist die Hoffnung auf einen "aufgeklärten Islam" verbunden. Aufgeklärt glauben, heißt auch zweifeln und über das eigene Bekenntnis frei und ohne Angst diskutieren zu können.

Die evangelische Kirche tritt ein für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit – und für das Bündnis von Glaube und Bildung. Auf Grund dessen kann sie gar nicht anders, aktiv und öffentlich Islamischen Religionsunterricht an unseren Schulen zu fordern.

[Dieser Beitrag ist auch als Rundfunkandacht in der Reihe "Innehalten" bei SR2 und SR3 gelaufen.
Anhören! (mp3-Datei)]

Dienstag, 9. März 2010

Melanchthon und die Bildung

Das Jahr 2010 hat die Evangelische Kirche zum Melanchthonjahr ausgerufen – und zugleich zum Jahr der Bildung. Denn Philipp Melanchthon gilt als der "Lehrer Deutschlands", so sein Würdetitel. Er war der zweite große Wittenberger Reformator neben Martin Luther. Vor 450 Jahren ist er gestorben. Er vertrat die humanistische Idee, der Mensch habe die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln. Damit gab er einen kräftigen Anstoß, Schulen zu gründen.

"Wer Schulen gründet und die Wissenschaften pflegt, der macht sich um sein Volk und die ganze Nachwelt besser verdient, als wenn er neue Silber- oder Goldadern fände", drückte er seine Überzeugung aus. Zweihundert Jahre vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht forderte er diese bereits für Jungen und Mädchen. Darum stellte er Lehrpläne auf, gab Schulbücher heraus und setzte sich für Unterrichtsreformen ein.

Aus dem neuen, reformatorischen Glauben kam der Antrieb für Melanchthons Engagement. Martin Luther sprach von der "Freiheit eines Christenmenschen". Zur Freiheit gehört die Fähigkeit, den Glauben auch durchdenken zu können. Sonst wäre man ja dazu verurteilt, nur nachzuplappern, was einem anderen vorsagen. Das wäre aber keine Freiheit, sondern Abhängigkeit. Jede Frau und jeder Mann soll eigenständig den christlichen Glauben an Gott bekennen und das Bekenntnis zu Jesus Christus bejahen können. Mündig sollen die Gläubigen sein. Die Voraussetzung dafür war, dass jede und jeder selbst die Bibel lesen konnte. Und jeder sollte so gebildet sein, dass er den Kleinen Katechismus, das Bekenntnis für den alltäglichen Gebrauch, nicht nur auswendig kannte, sondern auch weitergeben konnte. Sprachfähig im Glauben zu sein, das war das Ziel. Grundlage dafür war eine Bildung für alle und nicht nur für wenige, die es sich leisten konnten.

Heute reden wir viel von "Bildungsgerechtigkeit". Wir haben erkannt: Dass bei uns alle zur Schule gehen, bedeutet noch lange nicht, dass alle gleiche Chance haben, sich ihren Möglichkeiten entsprechend zu bilden. Es mangelt an Möglichkeiten gezielter und kostenfreier individueller Förderung. Dies einzufordern, bedeutet, den Bildungsanspruch der Reformation fortzuschreiben.

[Dieser Beitrag ist auch als Rundfunkandacht in der Reihe "Innehalten" bei SR2 und SR3 gelaufen und kann als mp3-Datei heruntergeladen und angehört werden]

Samstag, 24. Oktober 2009

Getauft? Keine Angst vorm Föhn!

Wenn Sie getauft sind: Vorsicht nach der morgendlichen Dusche bei der Verwendung des Haartrockners - ruckzuck könnten Sie sich Ihre Taufe weggeföhnt haben!

So'n Quatsch, meinen Sie? Sehe ich genauso. Aber so sieht ein aktueller Trend unter den so genannten Neuen Atheisten aus, vor allem im angelsächsischen Raum. Ent-Taufen nennt sich das; damit schwören überzeugte Atheisten dem Glauben ab: Ein falscher Pfarrer benutzt einen Föhn mit der Aufschrift "Vernunft", um das Wasser der Taufe symbolisch wegzublasen. Anschließend gibt’s ein Anti-Abendmahl: statt Brot und Wein Cracker mit Erdnussbutter. Und dann erhalten die Kandidaten ihr Ent-Taufungs-Zertifikat.

Es ist bedauerlich, dass es Menschen gibt, die ihre Taufe im Kindesalter im Nachhinein als Zwang und Bevormundung ansehen. Die Kirche und Glaube so erlebt haben, dass sie ihnen als etwas erscheint, demgegenüber sie alle Vernunft fahren lassen müssten. Zumindest hier im Land der Reformation treten Christen für das Bündnis von Glaube und Vernunft ein.

Bedauerlich ist auch, welches falsche Verständnis der Taufe in diesem Anti-Ritual zum Ausdruck kommt. Es ist völlig absurd – als wäre die Taufe irgendeine böse Hexerei, die mit einer Gegenhexerei behandelt werden müsste. Der Reformator Martin Luther schrieb einmal: "Die Sakramente werden nicht erfüllt, indem sie geschehen, sondern indem sie geglaubt werden." Es geschieht nichts Magisches in dem Moment, wenn das Wasser den Kopf des Täuflings berührt. Und die Lebensgemeinschaft, die Freundschaft zwischen Gott und Mensch, die mit der Taufe begründet wird, wird durch den Glauben erst endgültig besiegelt.

Glaube aber ist immer beides: Er ist mir einerseits gegeben, ein Geschenk – und ich habe ihn mir andererseits persönlich angeeignet und mich dafür entschieden.    Deshalb bleibt die Anti-Taufe nur ein Späßchen. Rückgängig machen geht nicht. Wo aber der Glaube nicht ist, spielt die Taufe für den Getauften ohnehin keine Rolle.

Aber: Gott ist offen. Die Taufe ist die lebenslang gültige Zusage der Vergebung und Liebe Gottes. Er ist lebenslang offen für Nähe zu ihm und Ferne von ihm.

Und wenn der Glaube zwischendurch entschwindet oder erst spät aufkeimt, dann kann ich dankbar dafür sein, dass – lange bevor ich mich für ihn entschieden habe – Gott sich schon für mich entschieden hat.

Also: Keine Angst vorm Föhn.

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Mittwoch, 10. Juni 2009

Ein Pfarrer unter Atheisten

In den vergangenen Wochen konnte ich nicht widerstehen, mich auf eine Online-Diskussion im Zusammenhang mit der derzeit laufenden atheistischen Buskampagne einzulassen. Was ich dort zum Verhältnis von Glaube und Vernunft, Theologie und Naturwissenschaft formuliert habe, beschäftigt mich im Hinterkopf schon seit längerem. Nun kann es nachgelesen werden, und zwar hier:

http://www.buskampagne.de/indexc9f9.html?p=963#comments

Mein Einstieg in die Debatte beginnt mit der Kommentarnummer 93. Verabschiedet habe ich mich mit Nummer 372.

Eigentlich ist mein Wunsch, diese Thematik auch hier im Blog über mehrere Einträge hin zur Sprache zu bringen. Die im Buskampagne-Forum formulierten Texte könnten dafür die Grundlage bilden; eine Überarbeitung wäre aber nötig - mal sehen, ob und wann ich dazu komme.

Vorerst sind immerhin drei Rundfunkandachten entstanden, die in der vergangenen Woche bei RPR1 und Rockland Radio liefen, aber bei weitem nicht so sehr in die Tiefe gehen wie die Internetdebatte:
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Montag, 20. April 2009

Ich habe den Namen meiner Tochter geträumt.

Meine Urgroßmutter mütterlicherseits hieß Luise. Sie starb 1985 im Alter von 85 Jahren. Beim notwendigen Durchforsten der persönlichen Unterlagen nach ihrem Tod stießen wir auf ein Dokument, das belegte, dass der tatsächliche Taufname meiner Urgroßmutter nicht Luise, sondern Elouisa war. Das erzählte ich irgendwann später einmal meiner Frau - und der Name setzte sich in unseren Köpfen als potentieller Name für weiblichen Nachwuchs fest.

Hello World!Als Anfang 2008 dann die Geburt unserer Tochter bevorstand, wollte ich diese Namensgeschichte noch einmal verifizieren und bat meine Mutter, das entsprechende Dokument herauszusuchen. Es erwies sich nicht nur als unauffindbar, sondern schlicht als nichtexistent. Der eingetragene Name meiner Urgroßmutter lautete Luise. Den Namen Elouisa (den ich in dieser Schreibweise per Google-Suche weltweit nur einige wenige Male finden konnte) musste ich geträumt haben. Was uns nicht davon abhielt, unsere Tochter so zu taufen.

Ebenfalls geträumt hatte ich übrigens das Geschlecht meiner Tochter. Zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht wussten, was es werden wird, träumte ich davon, ein dunkelhaariges kleines Mädchen im Arm zu halten. Als sie schließlich zur Welt kam, hatte sie bereits ganz viele dunkle Haare auf dem Kopf. Auf dem gezeigten Foto ist Elouisa genau eine Woche alt.

Das wollte ich hier schon lange einfach gerne mal berichten, ohne jegliche Wertung oder Deutung. Mag sich jeder und jede selbst so seine Gedanken darüber machen.


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Freitag, 19. September 2008

Auf der Suche nach dem Gott-Teilchen

Vor etwas über einer Woche wurde er in Betrieb genommen: der Large Hadron Collider, kurz LHC, am Kernforschungszentrum CERN in Genf, die größte von Menschen gebaute Maschine. 27 Kilometer Länge misst der 150 Meter unter der Erde liegende Tunnelring des Teilchenbeschleunigers. Seine Baukosten alleine - ohne die zur Ergebnisanzeige notwendigen Detektoren - betrugen rund drei Milliarden Euro.

Und wofür? Sehr vereinfacht gesagt: für ein gigantisches Mikroskop. Paradoxerweise werden die Messgeräte umso größer, je kleiner die untersuchten Objekte sind. Oder genauer gesagt: die gesuchten Objekte. Denn das Higgs-Teilchen, das die CERN-Wissenschaftler unter anderem erforschen zu können hoffen, existiert bislang nur in der Theorie. Ihm werden Eigenschaften zugeschrieben, die diejenigen eines Schöpfergottes sein könnten: Es muss der Theorie zufolge im Universum allgegenwärtig sein, und es ist allmächtig in dem Sinne, dass es allen anderen Teilchen ihre Masse verleiht, also die Eigenschaften der Materie steuert. Darum nennen es manche Physiker auch das "Gott-Teilchen".

Eine öffentlichkeitswirksame Bezeichnung, durchaus. Es schwingt darin auch deutlich der Wunsch mit, die letzten Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Aber wie christliche Theologen aller Couleur sich hüten sollten, die biblischen Schöpfungsgeschichten als naturwissenschaftliche Weltentstehungstheorie zu behaupten, so sollten Physiker nicht einfach religiöse Formulierungen auf ihre Erkenntnisse übertragen. Es könnte der Verdacht entstehen, die Naturwissenschaftler wollten sich mit der Entdeckung des Gott-Teilchens die Deutungshoheit für alle menschliche Erfahrung sichern.

Dem gegenüber wäre festzuhalten: Die Experimente mit dem LHC bringen - hoffentlich - faszinierende neue Erkenntnisse über Anfang und Struktur des Universums. Sie werden jedoch nichts daran ändern, dass wir weiterhin mit Luther sagen können:. "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen ..."

(Dieser Artikel erschien - leicht gekürzt - auch in der Ausgabe 38/2008 des Evangelischen Kirchenboten)

Sonntag, 18. Mai 2008

Verstehenshilfe Trinitätslehre: Eins plus eins plus eins gleich - eins?

Wie viel macht eins plus eins plus eins? Drei? Im Rahmen konventioneller Mathematik mag das stimmen, aber christliche Mathematik geht anders: Da ergibt eins plus eins plus eins auch wieder eins. So kam's und kommt's jedenfalls vielen vor, wenn sie versuchen, die Trinitätslehre zu verstehen - also die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist.

Dass diese drei ein und derselbe sein sollen, das mag auch heute noch verwirrend erscheinen und manchem schwer verständlich sein. Dabei ist es genau andersherum gemeint: Die Trinitätslehre soll eigentlich helfen zu verstehen. Und eine Verstehens- und Glaubenshilfe, das ist sie tatsächlich - vorausgesetzt, man nimmt sie nicht daher, um sich ein Bild davon zu machen, wie Gott in sich selbst aussieht, wenn man also spekuliert: Geht der Geist nur vom Vater oder auch vom Sohn aus? Gab es den Sohn schon, bevor Jesus auf der Erde in Erscheinung trat etc. p.p.

Verstehen lässt die Trinitätslehre stattdessen, wie Gott nach außen hin handelt, das heißt, was sein Plan mit der Welt und den Menschen ist. Die Person Gott Vater steht dann dafür, dass von ihm alles herkommt, er der Schöpfer und Urgrund allen Seins ist. Die Person des Sohnes, Jesus Christus, steht dafür, dass Gott seine Schöpfung nicht sich selbst überlässt, dass er uns beisteht im Leiden und mit uns den Weg durch den Tod zum Leben geht, dass er uns freimachen wird von den Mächten der Sünde und des Todes. Und die Person des Geistes steht dafür, wie er bereits hier und heute in der Welt wirkt, wie er alle Menschen miteinander und mit dem Rest der Schöpfung verbindet.

Deshalb kann ich den Vater, den Sohn und den Geist im Gebet je einzeln ansprechen - und bete doch nur zu ein und demselben Gott.

Den christlichen Kirchen ist die Rede vom dreieinigen Gott so wichtig, dass sie ihr eine eigene Zeit im Kirchenjahr widmen: die Trinitatiszeit. Mit dem Sonntag Trinitatis, heute, beginnt sie. Drei gleich eins und eins gleich drei? Wer unbedingt will, mag sich darüber weiter den Kopf zerbrechen - oder Christen vorwerfen, dass unser Glaube unlogisch sei. Tatsache ist: Gott wirkt und begegnet auf vielfältige Weise. Das ist wichtig. Und das feiern wir.

Dienstag, 1. April 2008

Für eine Versachlichung der Diskussion um Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie

Kein Aprilscherz: Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat heute seine Orientierungshilfe zum Thema Kreationismus, Intelligent Design und Evolutionstheorie im Schulunterricht veröffentlicht. Die "EKD-Texte 94" gibt es auf den Seiten der EKD auch als pdf-Datei zum Herunterladen.

Der Text soll der Versachlichung der Diskussion dienen, aber wenn ich mir die jetzt nach wenigen Stunden bereits auf jesus.de erschienenen Kommentare durchlese, macht mir das wenig Hoffnung. Da blüht der Biblizismus, dass es nur so kracht. :o