Mittwoch, 10. Juni 2009

Ein Pfarrer unter Atheisten

In den vergangenen Wochen konnte ich nicht widerstehen, mich auf eine Online-Diskussion im Zusammenhang mit der derzeit laufenden atheistischen Buskampagne einzulassen. Was ich dort zum Verhältnis von Glaube und Vernunft, Theologie und Naturwissenschaft formuliert habe, beschäftigt mich im Hinterkopf schon seit längerem. Nun kann es nachgelesen werden, und zwar hier:

http://www.buskampagne.de/?p=963#comments

Mein Einstieg in die Debatte beginnt mit der Kommentarnummer 93.

Eigentlich ist mein Wunsch, diese Thematik auch hier im Blog über mehrere Einträge hin zur Sprache zu bringen. Die im Buskampagne-Forum formulierten Texte könnten dafür die Grundlage bilden; eine Überarbeitung wäre aber nötig - mal sehen, ob und wann ich dazu komme.

Vorerst sind immerhin drei Rundfunkandachten entstanden, die in der vergangenen Woche bei RPR1 und Rockland Radio liefen, aber bei weitem nicht so sehr in die Tiefe gehen wie die Internetdebatte:
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Samstag, 16. Mai 2009

WolframAlpha ist (noch) a-religiös

Donnerstag, 14. Mai 2009

Kirche im Web 2.0 - Eine tendenziöse Umfrage?

Eine Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt a.M.:

Das Web 2.0 ist aus dem Lebensalltag Jugendlicher kaum wegzudenken. SchuelerVZ, Facebook und andere Communities haben einen festen Platz im Medienalltag.

Die Goethe-Universität Frankfurt in Form der Professur für Religionspädagogik und Mediendidaktik untersucht erstmals das Vorkommen von Kirche in diesem Web 2.0, dem Mitmachinternet, und lädt dazu ein, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Als Teilnehmerin / Teilnehmer erhält man die Ergebnisse der Studie als PDF auf Wunsch automatisch zugesandt. Für kirchliche Mitarbeiter und Interessierte ergeben sich dadurch neue Blickwinkel auf die Einsatzmöglichkeiten von Communities und Videoportalen, aber sicher auch die ein oder andere spannende Webseite, bei der ein Besuch lohnt.

Um teilzunehmen gehen Sie bitte auf www.kirche-im-web20.de. Direkt zur Umfrage gelangen Sie hier: www.surveymonkey.com/s.aspx?sm=N6t1Xeya5RPmXEYuYOZUaQ_3d_3d
Die Teilnahme dauert ca. 10 Minuten.

(Pressemitteilung gefunden auf openPR via Hinweis von Georg Schneider)

UPDATE:
Nachdem ich gerade die Umfrage selbst ausgefüllt habe, bin ich doch etwas enttäuscht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei der Art und Weise, wie diese Fragen angelegt sind, besonders repräsentative Ergebnisse zum großspurig angekündigten Thema "Kirche im Web 2.0" herauskommen. Die Umfrage hat nämlich einen stark katholisch ausgerichteten Akzent, was gleich bei der ersten Frage schon zum Ausdruck kommt:

1. Wie gehen Sie vor, wenn Sie nach religiösen Inhalten im Netz suchen?
  • Ich nutze Suchmaschinen (wie z.B. Google)
  • Ich besuche die Webseite meiner Pfarrei / lokalen kirchlichen Einrichtung
  • Ich gehe über eine Portalseite wie katholisch.de
  • Ich gehe über Nachrichtenseiten wie domradio.de (kath.de / kath.net)
  • Ich nutze meine Favoriten bzw. Lesezeichen, die ich mir mit der Zeit angelegt habe
  • Ich gehe über die Seiten des Bistums
Nicht-katholische Befragte dürften hier schon teilweise gehörig verwirrt sein. Evangelische müssten im Geiste hinter das Beispiel katholisch.de auch ekd.de setzen, hinter domradio.de bzw. kath.de auch epd.de und hinter "Bistum" auch "Landeskirche". Das dürften aber nur kirchlich eng Verwurzelte hinbekommen.

Bei der Frage nach der Nutzung "kirchlicher Sinnangebote" unter Frage 11 werden ebenfalls ausschließlich katholische Angebote aufgelistet.

Hinzu kommt, dass in Frage 6 nur nach sozialen Netzwerken (Communities) gefragt wird. Weitere Web-2.0-Angebote, die zum Teil von selbst netzwerkartigen Charakter entwickeln bzw. entwickelt haben, werden ausgespart, etwa Twitter und Friendfeed. Auch wird zwar nach Kenntnis und Nutzung von Blogs gefragt (Frage 14), nicht aber nach dem Abonnement von RSS-Feeds in Feedreadern.

Schließlich die vielen "Wünschen Sie sich...?"-Fragen. Wer aus der Gruppe kirchenaffiner Internetnutzerinnen und -nutzer antwortet auf eine so gestellte Frage schon mit "Eher nicht" oder "Nein"? "Wünschen Sie sich mehr Präsenz der Kirche in sozialen Netzwerken?" Klar.

Eine wissenschaftlich redlich durchgeführte Umfrage müsste an dieser Stelle doch Antwortmöglichkeiten anbieten wie z.B. "Ja, wenn darunter nicht die Präsenz vor Ort leidet" oder "Eher nicht, denn das dazu erforderliche Geld könnte sinnvoller in ein soziales Hilfsprojekt investiert werden".

Mir scheint dies eine sehr tendenziös angelegte Studie zu sein, deren einziger Sinn und Zweck sein dürfte, gegenüber den entsprechenden Verantwortlichen die Notwendigkeit einer verstärkten Präsenz der römisch-katholischen Kirche im Web 2.0 zu verdeutlichen. Aussagekräftige Ergebnisse über die Nutzung von Web-2.0-Angeboten durch Christinnen und Christen der beiden großen Konfessionen und ihre Wünsche zur weiteren Entwicklung sind hiervon nicht zu erwarten.

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Dienstag, 12. Mai 2009

Weltrekordversuch auf dem Kirchentag: Die Bibel im Twitter-Format

Die folgende Pressemitteilung, die in meiner Mailbox gelandet ist, gebe ich hier einfach mal komplett wieder - weil ich die Aktion so schön webzwonullig finde. Ich denke, ich werde mich auch mal anmelden und bin gespannt, welche Bibelstelle ich dann in 140 Zeichen zusammenfassen darf.
WIR TWITTERN DIE BIBEL!
Weltrekordversuch startet auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen (20.bis 24. Mai 2009)

Die Bibel im Twitter-Format neu interpretiert – das wäre Weltrekord. Der Versuch startet auf dem 32. Evangelischen Kirchentag in Bremen und läuft vom 20. Mai bis zum Pfingstmontag. Die Herausforderung: Geschichten der Heiligen Schrift sollen jeweils in nur 140 Zeichen zusammengefasst werden. Für die Aktion haben erfahrene Theologen die Bibel in rund 3.000 Abschnitte aufgeteilt. Die neu interpretierten Bibelstellen werden während des Kirchentags aktuell beim Internet-Dienst Twitter (http://twitter.com/evangelisch_de) veröffentlicht. Der Rekordversuch ist eine Aktion von evangelisch.de, dem neuen Internetportal der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das am 24. September 2009 online geht. Realisiert und betreut wird evangelisch.de vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP).

Mitarbeiter von evangelisch.de werden während des Kirchentags in Bremen unterwegs sein und an interessierte Besucher Bibelstellen austeilen. Natürlich kann sich jeder auch seine persönliche Lieblingspassage in der Bibel aussuchen. Aufgabe wird es dann sein, die Bibelstellen in eigenen Worten umzuformulieren, wobei die Texte nicht mehr als die twitter-typischen 140 Zeichen umfassen dürfen. Kirchentagsbesucher können ihre Texte von den Mitarbeitern von evangelisch.de direkt bei Twitter einspeisen lassen oder ihre Bibel-Interpretation per Hand auf ihren Bibel-Twitter-Flyer schreiben und abgeben.

Nicht nur Kirchentagsbesucher können mitmachen – jeder ist eingeladen. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich jetzt bereits unter www.evangelisch.de anmelden. Die Teilnehmer bekommen zum Aktionsstart am 20. Mai per Mail eine Bibelstelle zugeschickt. Sie haben dann bis zum 1. Juni Zeit, ihre Neufassung im Twitter-Format zurückzusenden oder in einem Formular bei evangelisch.de einzureichen.

„Der Rekordversuch von evangelisch.de ist eine großartige Idee und eine spannende Herausforderung. Das Schöne ist: Die Menschen setzen sich dabei auf intensive Weise mit der Bibel auseinander. Eine typisch evangelische Aktion, denn auch Martin Luther war es ein Anliegen, den Menschen das Wort Gottes in einer zeitgemäßen, leicht verständlichen Sprache näherzubringen“, sagt Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der EKD.

Während des Evangelischen Kirchentags in Bremen werden alle neu interpretierten Bibelstellen bei Eingang aktuell auf Leinwänden eingeblendet. Sie werden nach dem Kirchentag sortiert und auf evangelisch.de veröffentlicht. Hier kann die Twitter-Bibel gelesen und über einzelne Stellen diskutiert werden.

Über evangelisch.de
evangelisch.de ist das neue Internetportal der Evangelischen Kirche in Deutschland, das am 24. September 2009 online gehen wird. Das Ziel: evangelische Sichtweisen auf Deutschland und die Welt widerspiegeln. Der neue Internet-Auftritt besteht aus drei Bereichen: News, Community, Services.

News: evangelisch.de bietet zu aktuellen Themen Nachrichten, hintergründige Geschichten und Standpunkte. Community: evangelisch.de dient als Plattform, auf der sich Menschen untereinander austauschen können. Nutzer können eigene Profile einrichten, eigene Inhalte präsentieren und sich zu Interessengruppen zusammenschließen. Services: evangelisch.de integriert Informationen, Hilfestellungen und Dienstleistungen, die von der evangelischen Kirche auf den verschiedenen Seiten im Internet angeboten werden.

Seit 1. April 2009 ist ein Blog von evangelisch.de online, das über die Entwicklung des Portals informiert. Der Bibel-Twitter-Rekordversuch ist die erste Aktion von evangelisch.de.


Über Twitter

Twitter (engl. Gezwitscher) ist ein Internet-Dienst, bei dem Nachrichten nicht mehr als 140 Zeichen umfassen. Daher müssen die Texte bei dem Bibel-Twitter-Rekordversuch in dieses Kurzformat gebracht werden.
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Mittwoch, 6. Mai 2009

Den Apostel Paulus hat Google offenbar gleich mehrfach auf Lager...

... oder wie darf ich sonst diesen Suchvorschlag verstehen?



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Donnerstag, 23. April 2009

Bundesinnenminister Schäuble: Engagierter evangelischer Christ

Heute beginnt in Speyer das lange Festwochenende zum Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Gedächtniskirche der Protestation. Zum Auftakt diskutieren auf dem Podium in der Kirche ab 19 Uhr der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad und Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann über verschiedene ökumenisch bedeutsame Themen. Die Veranstaltung steht unter dem Titel "Römisch-katholisch und evangelisch-protestantisch: Gemeinsame oder getrennte Wege des Christlichen?"

Morgen Abend ist Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble in der Gedächtniskirche zu Gast. Er spricht über "Die gesellschaftliche und politische Bedeutung des Protestantismus heute". Das mag manchen überraschen, denn aus der Vorbereitungsarbeit der vergangenen Wochen scheint mir doch vielen nicht bekannt zu sein, dass der Innenminister ein engagierter evangelischer Christ ist und bereits zu vielen entsprechenden Themen öffentlich das Wort ergriffen hat. Das belegt ein Blick auf seine Homepage und die Reden, die dort im Volltext herunterzuladen sind.

Eine Auswahl zu den Themen Religion, Glaube und Kirche habe ich nachfolgend zusammengestellt. Sobald der morgige Vortrag ebenfalls erhältlich ist, werde ich auch diesen in die Liste aufnehmen (Update 5.6.09: ist hiermit geschehen!).
[Update 24.4.: Die Links zu den pdf-Dateien waren fehlerhaft und wurden korrigiert.]
[Update 5.6.: Link zum Protestantismus-Vortrag in Speyer am 24.4.09 eingefügt]

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Falsch verstandene Liberalität: Zum Streit um den Religionsunterricht in Berlin

In seinem Beitrag aus der heutigen NZZ zum bevorstehenden Volksentscheid am 26.04. über den Religionsunterricht in Berlin kommt Kommentator Joachim Güntner zu folgendem Schluss:
Siegt hingegen die Initiative mit ihrem Verlangen nach einem «Wahlpflichtbereich Ethik/Religion», dann hat sie eine Gleichbehandlung beider Fächer erreicht, die das verfassungsmässige Recht, dem Religionsunterricht fernzubleiben, fast völlig verblassen lässt. Es ist, als machte «Pro Reli» aus dem als Bevormundung beschimpften «Zwangsfach Ethik» einfach ein um die Religion erweitertes Doppel-Zwangsfach. Liberal wirkt auch das nicht.
Dieses Fazit halte ich für großen Unsinn. Was wäre die Konsequenz der mit den letzten beiden Sätzen im Prinzip geforderten völligen Liberalität? Eigentlich doch dies, dass die Schülerinnen und Schüler entscheiden können sollten, sowohl Religion als auch Ethik abzuwählen. Das aber kann in niemandes Sinne sein. Wie Theologieprofessor Rolf Schieder schon gestern in der F.A.Z. auf S.11 schrieb: "[D]er Zwang zur Wahl [ist] die Bedingung der Möglichkeit von Freiheit".

Auch lässt die "Gleichbehandlung beider Fächer" eben gerade nicht "das verfassungsmäßige Recht, dem Religionsunterricht fernzubleiben, fast völlig verblassen". Es ist vielmehr umgekehrt so, dass die bisherige Berliner Sonderregelung eines Pflichtfachs Ethik das verfassungsmäßige Recht, am Religionsunterricht teilzunehmen, verblassen lässt! Denn Religionsfreiheit bedeutet nicht nur Freiheit von der Religion, sondern vor allem auch Freiheit zur Religion.

Ceterum censeo, dass das Bundesverfassungsgericht baldmöglichst und endlich und endgültig einmal über die Frage der Anwendbarkeit der Bremer Klausel entscheiden sollte.

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Montag, 20. April 2009

Ist der Tod eine Person? Für wen arbeitet er?

Wieder einmal habe ich in meiner Eigenschaft als "Experte" für verschiedene Themen bei wer-weiss-was.de eine Anfrage per E-Mail erhalten. Meine Antworten auf diese und auch auf andere Anfragen will ich künftig auch hier im Blog veröffentlichen, weil ich meine, dass sie durchaus für ein paar Leute mehr interessant sein könnten als nur für die jeweiligen Fragesteller. Für das Blog bereite ich die Antworten vom Layout und durch das Einfügen zusätzlicher Links etwas auf.

Die aktuelle Anfrage umfasste mehrere Fragenkomplexe. Zunächst habe ich mir diesen vorgenommen:
Habe ein paar Fragen zum Tod und zum Jenseits. 1. Ist der Tod eine "Person", ein Geist wie Gott und der Teufel? Wenn ja, für wen "arbeitet" er, für Gott oder den Teufel, ist er gut oder böse? Darf man den Tod lästern? Darf man als Autor skurrile Geschichten über den Tod schreiben?
Meine Antwort:

Der Tod ist keine Person und kein Geist, sondern zunächst einmal
einfach eine Realität biologischen Lebens. Unser Leben ist zeitlich
begrenzt, es nimmt einmal ein Ende, und dieses Ende nennen wir Tod.
Wir Menschen, vor allem unsere Dichter, personifizieren den Tod, weil
wir die Bedrohung, die er mit sich zu bringen scheint, auf diese Weise
besser fassbar machen und verarbeiten können. Das zu tun ist richtig
und wichtig und notwendig.
Der Tod arbeitet weder für Gott noch den Teufel (wie auch immer man
letzteren definieren/charakterisieren mag) und er ist an sich auch
weder gut noch böse.
Er "ist" einfach. Es gibt ihn eben, den Tod, und
wir müssen damit umgehen lernen, dass unser Leben auf dieser Welt
nicht von ewiger Dauer ist. Das mag unserer menschlichen Eitelkeit
widersprechen. Als gut oder böse empfinden wir nur je ganz subjektiv
den Weg eines Menschen zum Tod. War es ein "leichter" oder ein
"schwerer" Weg, starb jemand "lebenssatt", oder hatte er "noch so viel
vor sich"?
Selbst für jemanden, der keine christliche (oder andere) Hoffnung über
den Tod hinaus verspürt, müsste der Tod an sich wertfrei sein. Denn er
könnte sagen: "Ich war schon mal tot - vor meiner Geburt. Ich kann
mich weder an Leiden noch an Freude erinnern, demgemäß habe ich nichts
zu hoffen, aber auch nichts zu fürchten, was den Tod betrifft."
So weit ich es sehe, gibt es im Hinblick auf den Tod nur zwei
sinnvolle Glaubensalternativen:


  • Aus dem Nichts kommen wir - ins Nichts kehren wir zurück, oder:
  • Aus Gottes Hand kommen wir - in Gottes Hand kehren wir zurück.
Natürlich liegt für viele Menschen das "Böse" des Todes eben darin,
dass er unser vorangegangenes, uns doch wertvolles Leben "zunichte"
macht. Doch die Furcht davor ist nur Ausdruck der o.g. menschlichen
Eitelkeit, Anmaßung und Selbstüberschätzung, bzw., theologisch
gesprochen, Ausdruck der Sünde, des Abgeschnittenseins von Gott.
Der Tod ist Abbruch aller Beziehungen - bis auf die eine, die
Beziehung zu Gott, die dem gläubigen Menschen durch den Glauben an die
Offenbarung Gottes in Jesus Christus geschenkt ist. (Etwas
ausführlicher finden Sie diese theologische Abschweifung hier
dargestellt: http://www.theologie-systematisch.de/eschatologie/5sterben/texte-theologie.htm)
"Darf man den Tod lästern?", fragen Sie. Ich möchte sagen: Auf jeden
Fall! Man sollte sogar! Wer das tut, vermeidet die Tabuisierung des
Todes, wie sie in der heutigen Gesellschaft an der Tagesordnung ist.
"Tod, wo ist dein Stachel?", ruft ihm ja schon der Apostel Paulus keck
entgegen, getragen vom Glauben an die Auferstehung Christi. Dieses
Lästern kann auch seelsorgerlich-heilende Wirkung haben. Ich denke an
eine Szene aus dem Film "Patch Adams", in der der Arzt (gespielt von
Robin Williams) sich mit einem todkranken Patienten darin überbietet,
immer wieder neue Bezeichnungen und Namen für den bevorstehenden Tod
zu finden und sich fast wie im Wettstreit zuzurufen. Das hat
befreiende und erlösende Wirkung, weil der Tod beim Namen genannt,
lächerlich gemacht und ihm so seine Macht genommen wird, ins Leben
vorzugreifen, statt nur an seinem Ende zu stehen.
"Darf man skurrile Geschichten über den Tod schreiben?" - Das ist mit
der vorangegangenen Frage eigentlich schon mit beantwortet. Ich liebe
beispielsweise die Darstellung des Todes als Skelett mit Sense, das nur
in Großbuchstaben spricht, wie es Terry Pratchett in seinen
humoristischen Fantasy-Romanen über die "Scheibenwelt" entwickelt hat.
Wir brauchen solche Geschichten zur "Seelenreinigung". Weil unser
aller Leben zwangsläufig auf den Tod hinauslaufen, brauchen wir die
Beschäftigung mit diesem Thema - in allen seinen Spielarten, von
albern bis skurril, von lustig bis ernsthaft, von
zweifelnd-verzweifelnd bis hoffnungsfroh.
Im Übrigen ist es mit der Personifizierung des Todes ein bisschen so
wie mit dem alten Trick, sich Examensprüfer oder Vorgesetzte beim
Bewerbungsgespräch in Unterwäsche vorzustellen. "Darf" man das? Von
irgendeinem hochmoralischen Standpunkt her vielleicht nicht. Aber es
tut gut.
So weit meine Antwort zum ersten Teil Ihrer Frage. Ich hoffe, Ihnen
damit weitergeholfen zu haben. Meine Ausführungen lassen sich
eigentlich mit einem Satz zusammenfassen: Wir brauchen keine Angst zu
haben.

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Ich habe den Namen meiner Tochter geträumt.

Meine Urgroßmutter mütterlicherseits hieß Luise. Sie starb 1985 im Alter von 85 Jahren. Beim notwendigen Durchforsten der persönlichen Unterlagen nach ihrem Tod stießen wir auf ein Dokument, das belegte, dass der tatsächliche Taufname meiner Urgroßmutter nicht Luise, sondern Elouisa war. Das erzählte ich irgendwann später einmal meiner Frau - und der Name setzte sich in unseren Köpfen als potentieller Name für weiblichen Nachwuchs fest.

Hello World!Als Anfang 2008 dann die Geburt unserer Tochter bevorstand, wollte ich diese Namensgeschichte noch einmal verifizieren und bat meine Mutter, das entsprechende Dokument herauszusuchen. Es erwies sich nicht nur als unauffindbar, sondern schlicht als nichtexistent. Der eingetragene Name meiner Urgroßmutter lautete Luise. Den Namen Elouisa (den ich in dieser Schreibweise per Google-Suche weltweit nur einige wenige Male finden konnte) musste ich geträumt haben. Was uns nicht davon abhielt, unsere Tochter so zu taufen.

Ebenfalls geträumt hatte ich übrigens das Geschlecht meiner Tochter. Zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht wussten, was es werden wird, träumte ich davon, ein dunkelhaariges kleines Mädchen im Arm zu halten. Als sie schließlich zur Welt kam, hatte sie bereits ganz viele dunkle Haare auf dem Kopf. Auf dem gezeigten Foto ist Elouisa genau eine Woche alt.

Das wollte ich hier schon lange einfach gerne mal berichten, ohne jegliche Wertung oder Deutung. Mag sich jeder und jede selbst so seine Gedanken darüber machen.


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Freitag, 17. April 2009

"Das Jüngste Gericht" im "Hôtel-Dieu" von Beaune

Heute mal eine Notiz aus dem (nicht wirklich konsequent geführten) Reisetagebuch vom 16. September 2007 in Beaune, Burgund:

Vorgestern besichtigten wir in Beaune das Hôtel-Dieu (Hospice), den "Palast der Armen", den der Kanzler von Burgund, Nicolas Rolin, 1443 stiftete. Neben dem beeindruckenden, 50 Meter langen Krankensaal blieb mir vor allem das - laut unserem Reiseführer - "Prunkstück der Ausstattung" im Gedächtnis: das Altarbild "Jüngstes Gericht" von Rogier van der Weyden aus dem 15. Jahrhundert. Es ist riesig: neun Tafeln! "Aufgeklappt ist der Altar 5,60 m breit." (Baedeker-Reiseführer Burgund, S. 160).




(Quelle: Wikimedia Commons - klicken für größere Version)


[Gerade entdecke ich mit Entsetzen, dass im Baedeker das Detail vom Altarbild, Erzengel Michael mit der Seelenwaage, seitenverkehrt abgedruckt ist - was völlig unmöglich ist, denn über Michael thront - im Baedeker nicht zu sehen - Christus als Weltenrichter, und ich glaube, für diese Darstellungen gilt ohne Ausnahme, dass die Seligen zur Rechten Christi in den Himmel, die Verdammten zur Linken Christi in die Hölle wandern. Vom Betrachter aus gesehen ist der Himmel also immer links, die Hölle rechts. Dies - vermutlich aus Layout-Gründen, nämlich damit Michael zur Buchmitte hin- und nicht aus dem Reiseführer herausschaut - zu ändern zeugt von gewaltiger Ignoranz.]

Mir fiel auf:
  • Die Seligen machen einen weit weniger erfreuten, glücklichen, erlösten Eindruck als die Verdammten einen verängstigten, verzweifelten. Die Seligen wirken eher demütig-untertänig-gleichgültig, während es für die Verdammten ganz offensichtlich nichts Grauenhafteres gibt als zu den Verdammten zu zählen.
  • Unter den Verdammten gibt es einige, die in herzergreifend flehenden Posen in Richtung Weltenrichter gezeigt werden. Sollte Christus tatsächlich derart unbarmherzig sein?
  • Die Darstellung der "Höllen-Seite" ist (für mich) ungewöhnlich: Nur ein paar Flammen züngeln, aber es sind keine Teufel, Dämonen oder sonstige Höllenwesen (wie etwa bei Hieronymus Bosch) zu sehen. Stattdessen steht den Verdammten die Angst buchstäblich in ihre Grimassen geschrieben, und: Sie reißen sich gegenseitig an den Haaren! Insgesamt wird die Höllendarstellung nach meinem Empfinden dadurch nicht weniger eindrücklich als bei Bosch - denn hier bleiben die Schrecken der Hölle der Fantasie des Betrachters überlassen.
  • Ich erinnere mich, dass mich auch die Nacktheit der Auferstandenen seltsam berührte. Gerade durch van der Weydens anatomisch getreue Darstellung erschien mir dies wie eine Verletzung des Intimbereichs derer, die vor den Weltenrichter treten - eine Demütigung aller (nicht nur der Verdammten). Ich sehe kaum Hoffens- oder Erstrebenswertes in diesem Bild und frage mich, ob der Mensch des Spätmittelalters solches darin gefunden hat.

Wikipedia-Artikel über Rogier van der Weyden

Wikipedia-Artikel über das Altarbild "Das Jüngste Gericht"

Wikipedia-Artikel über das Hôtel-Dieu de Beaune