Donnerstag, 25. Dezember 2008

Change 2008

“Finanzkrise” ist das Wort des Jahres 2008. Ich persönlich hätte das Jahr mit einem englischen Wort zusammengefasst: Change. Zu Deutsch: Wandel, Wechsel, Veränderung.

Zuallererst war “Change” natürlich das Wahlkampfmotto Barack Obamas. Er hat den Wechsel geschafft. Ob es auch einen Wandel bedeutet, bleibt abzuwarten.

Dann setzte sich die Debatte um den Klimawandel, engl. Climate Change, fort und führte zu ersten Vereinbarungen.

Change, regional und lokal: In den pfälzischen Kirchengemeinden setzten sich die Presbyterien neu zusammen. Und auch neue Kirchenpräsidenten wurden gewählt: in der Pfalz und in Hessen-Nassau.

Schließlich Change, bei mir ganz privat: die Geburt meiner Tochter.

In diesen Tagen feiern wir die Geburt eines Kindes, das die Welt verändert hat. Was ist denn aber seit Jesus anders, als es vorher war?

Vorher saß Gott auf seinem hohen Thron, respektgebietend und ehrfurchteinflößend. Vorher waren Opfer nötig, um ihn gnädig zu stimmen. Vorher war unklar, wie Menschen verschiedener Nation und Religion miteinander umgehen sollen. Vorher war überhaupt unklar, was Gottes Wille ist, und was er vorhat mit uns Menschen.

Seit Jesus über die Welt ging, ist uns Gott ganz nah. Wir dürfen mit ihm reden wie mit Mama oder Papa, Bruder oder Schwester. Er selbst bringt Opfer für uns. Gott will, dass Friede werde. Er will Leben, ewiges Leben für uns. Gott selbst will Change, will, dass sich etwas verändert. Er blieb selbst nicht unveränderlich: Er wurde Mensch.

Dieser Change ist es wert, gefeiert zu werden. Jedes Jahr wieder, an Weihnachten.

[Dieser Beitrag ist auch im "ProtCast Pfalz" als Rundfunkandacht zum Anhören erschienen.]

Montag, 8. Dezember 2008

RPR1 und das Web 2.0


Robert Basic vom Basic Thinking Blog hat über RPR1 gebloggt, und wie der Sender vor allem mit seinem Angebot "RPR1.Insider" versucht, eine Online-Community aufzubauen, inklusive aller möglichen Web-2.0-Funktionalitäten. Ein Privatsender wie RPR1 denkt dabei natürlich auch ans Geldverdienen, und so sieht Geschäftsführer Christian Mager die Notwendigkeit, "crossmediale Werbemöglichkeiten" zu schaffen.

Ich persönlich muss sagen, dass ich RPR1.Insider bisher eher neutral gegenüberstehe (sprich: Ich habe es mir noch gar nicht näher betrachtet). Was Social Networks betrifft, habe ich nach mehr oder weniger kurzen Abstechern zu Stayfriends, Facebook und studiVZ meine virtuellen Community-Heimaten letztlich bei Wer-kennt-wen und Xing gefunden (will man nicht Friendfeed und Twitter auch noch hinzuzählen, wo man sich ja irgendwie seine eigene Community sucht und schafft).

Das heißt aber nicht, dass RPR1.Insider nicht seine Existenzberechtigung hat. Für mich persönlich (aber wer bin ich schon?) wird ein Social Network weder dadurch attraktiv, dass es von einem regionalen Anbieter stammt, noch dass ein Radiosender - und sei es der, den ich regelmäßig höre - stetig darauf hinweist. Für viele andere ist das anders: Sie fühlen sich dadurch miteinander verbunden, dass sie dieselben Moderatoren mögen, bei denselben Gewinnspielen mitmachen, dieselbe Musikfarbe gerne hören, dieselben Events in der Region besuchen und darüber ins Gespräch kommen oder sich verabreden wollen.

Ich konnte schon 1999-2000, als ich die Online-Community von Radio Regenbogen, das damals ganz neu und superhip, mit Foren- und Chatsystem aufgezogene Regenbogenweb, mitbetreute (das es inzwischen nicht mehr gibt, wenn ich das recht sehe), diese Vergeschwisterung von Menschen, die zunächst nichts gemeinsam haben, als dass sie ein bestimmtes Medium konsumieren, nur staunend zur Kenntnis nehmen. Ob mich ein Internetforum als Teilnehmer oder ein Blog bzw. eine Blog-Community als regelmäßigen Kommentator gewinnen kann, hängt davon ab, ob dort Themen verhandelt werden, die mir am Herzen liegen, und dass zu diesen Themen ein leidenschaftlich-humorvoll-vernünftiger Dialog stattfindet. Wer-kennt-wen und Xing bilden die Ausnahmen von der Regel: Bei WKW war der Grund, dass ich mehr alte Bekannte wiedergefunden habe als in jedem anderen Netzwerk - was mich auch darüber hinwegsehen lässt, dass es größtenteils noch sehr Web 1.0 ist (keine RSS-Feeds??? Geht eigentlich gar nicht.). Und Xing nutze ich mehr zur professionellen Selbstdarstellung als zum Netzwerken oder Diskutieren.

Freilich ist klar, warum auch nicht vorrangig thematisch ausgerichtete Social Networks großen Zuspruch finden können: weil nämlich Menschen auch das Internet zur Unterhaltung nutzen, nicht nur das Radio (oder Fernsehen). Chatten, bloggen, podcasten, kommentieren, "liken", "sharen" oder was auch immer an Web-2.0-Funktionalität möglich ist, macht schlicht und ergreifend Spaß - ganz unabhängig von irgendwelchen bedeutungsschwangeren und weltbewegenden Inhalten. Schon die Real-Life-Clubber-Treffen zu Regenbogenweb-Zeiten waren fröhlich-lustige Runden, so bunt durcheinandergewürfelt die Leute dort auch waren. Natürlich konnte da nicht jeder mit jedem, aber Gleichgesinnte fanden sich schnell, und selbst Freundschaften und Liebesbeziehungen entstanden daraus damals schon. Auch die RPR1.Insider-Mitglieder werden sich regelmäßig im ganzen  Sendegebiet zu Treffen verabreden.

Dass ich selbst - obwohl ich doch dienstlich viel mit dem Sender zu tun habe, zumindest mit dem, was on air läuft - bislang RPR1.Insider noch gar nicht ausprobiert habe, mag freilich auch an einem ganz formalen Aspekt liegen: Mir gefällt die Startseite (s.o.) nicht. Sie sieht mir der Homepage des Senders zu ähnlich, ist zu überladen, wirkt so viel umständlicher und weniger einladend als die anderer Social Networks. Auf den ersten Blick fehlt sogar eine kurze und bündige Erläuterung, was denn der RPR1.Insider überhaupt ist, was ich da soll und tun kann!

Nichtsdestotrotz ist RPR1 als Radiosender mit diesem Produkt natürlich ganz nah am Puls der neuen Medien-Zeit. Und die Chance zum Update hat ja jeder. ;-)

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wie wichtig sind kurze Ladezeiten für Weblogs?

Mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass mein Blog relativ langsam lädt, selbst im schnellen Chrome-Browser. Kein Wunder, hatte und habe ich doch viele Widgets in den Seitenleisten, die einiges an Kilobytes beanspruchen. Ich wollte es genauer wissen und stieß per Google-Suche schnell auf ein Tool zur Ladezeit-Ermittlung von Homepages. Das vernichtende Ergebnis für mein Weblog: Note 6,0.

Als am ladezeitaufwändigsten erwiesen sich die Goodreads-Widgets, weshalb ich diese gleich in einen eigenen Blogeintrag verbannt und nur noch aus meinem Profil-Kasten heraus verlinkt habe. Sobald sie durch genügend neue Einträge von der Startseite des Blogs verschwinden, bedeutet dies 200K weniger zu laden.

Die Neugier war aber stärker, und so prüfte ich noch eben die laut Metaroll in Blogrolls meistverlinkten Blogs der deutschsprachigen Blogosphäre:

http://www.spreeblick.com
http://www.basicthinking.de/blog/
http://www.bildblog.de

Ergebnis: "Ungenügend" (6,0) auch für Basic Thinking und Bildblog, Spreeblick erreicht immerhin ein "Mangelhaft" (5,3).

Da bin ich doch auf dem richtigen Weg mit meiner Note! :-)

(Bildquelle: Wilhei55 )

Montag, 1. Dezember 2008

Fünf Jahre "Intelligentes Leben"

Gerade bin ich auf die bereits vor fast einem Jahr begonnene "Geschichte der deutschsprachigen Blogosphäre als Zeitstrahl" auf Benedikt Köhlers viralmythen-Blog gestoßen, habe nachgesehen und festgestellt, dass ich mein 5-Jähriges verpasst habe.

Am 8. Oktober 2003 richtete ich mein erstes Weblog unter der Adresse http://wuff.blogger.de ein. Am 31. August 2006 erhielt es die bis heute bestehende Überschrift "Gibt es intelligentes Leben auf der Erde?", und am 28. Februar 2008 zog ich damit um nach http://intelligentesleben.blogspot.com. Die alten Blogger.de-Einträge sind aber immer noch online - wer also quasi in meinem Blogarchiv wühlen möchte: Viel Spaß!

Computer sind illegal!

Spaßeshalber mal wieder etwas aus der Rubrik "Sprachpflege":
In der Meldung "Richter lehnen PC-Rundfunkgebühr ab" vom 24. November auf netzeitung.de lautet der erste Satz:
Das Verwaltungsgericht Wiesbaden zweifelt an einer Rechtsgrundlage für solche Geräte.
Kein Wunder: Computer machen faul, dick und süchtig. Solche mit Internetanschluss regen im schlimmsten Fall zu eigenständiger Information und Urteilsbildung in gesellschaftspolitischen Sachverhalten an, im nicht weniger schlimmen zur kritiklosen Übernahme haltloser Behauptungen.
Gegen den Verkauf dieser Geräte sollte dringend mit harter Hand vorgegangen werden!

Sonntag, 30. November 2008

Es ist genug für alle da! - 50 Jahre "Brot für die Welt"

„Es ist genug für alle da“, sagt die Mutter beim Kindergeburtstag, wenn das Chaos ausbricht, weil endlich die Spaghetti auf den Tisch kommen und sich alle gleichzeitig bedienen wollen.

„Es ist genug für alle da“, denkt sich erleichtert der Pauschalurlauber beim Anblick des gigantischen Buffets im 5-Sterne-Hotel, all you can eat, all inclusive.

„Es ist genug für alle da“ – behauptet die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt“. Heute wird sie wieder eröffnet – zum 50. Mal. Und das Motto der Jubiläumsaktion? Es lautet „Es ist genug für alle da“.

Genug für alle auf der Welt. Genug an Brot, genug an Arbeit, genug an Bildung, genug an Gesundheitsvorsorge. Das klingt – auf die ganze Welt bezogen – provokant, zumindest aber trotzig. Es ist eine Kampfansage gegen alle, die behaupten: „Na ja, es reicht halt nicht für alle. Kann man nichts machen. Wer in einer armen Region der Erde geboren ist und lebt, hat eben Pech gehabt.“

Nein. Es ist genug für alle da. Es ist nur nicht gerecht verteilt zwischen Nord und Süd, zwischen West und Ost, zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern.

„Brot für die Welt“ kämpft seit 50 Jahren für ein Stück mehr Verteilungsgerechtigkeit. Heute noch hungern über 930 Millionen Menschen, eine unvorstellbare Zahl. Und trotzdem: Es ist genug für alle da. Es muss nur dorthin kommen, wo es gebraucht wird.

Sonntag, 23. November 2008

Das Kreuz als Zeichen des Lebens

Es ist ein Unterschied, ob ich auf ein Kruzifix blicke oder auf das leere Kreuz. Das Kruzifix mit dem Corpus Christi richtet meine Aufmerksamkeit auf die Passion. Es stellt das Leiden Jesu sowie die Art und Weise, auf die er getötet wurde, in den Mittelpunkt. Es engt das Symbol des Kreuzes ein auf die eindimensionale Deutung als Folter- und Hinrichtungswerkzeug.

Im schlichten Kreuz scheinen zwei Dimensionen auf. Da verbindet sich der Mensch in der Waagerechten des Querbalkens mit der Erde und seinen Mitmenschen, in der Senkrechten des Längsbalkens mit dem Göttlichen. Da sind noch die Nachwehen des Todes, aber es hängt kein schändlich Hingerichteter und Leidender mehr daran. Da ist noch das Wissen darum, wozu Menschen dieses Werkzeug benutzt haben, aber auch der Glaube daran, was Gott daraus gemacht hat: ein Zeichen des Lebens, der Auferstehung. Genauso ist es auch ein Unterschied, wie wir den letzten Sonntag des Kirchenjahres nennen: Totensonntag oder Ewigkeitssonntag.

Und wie es protestantischen Christen gut ansteht, den Blick hoffnungsvoll auf das leere Kreuz der Auferstehung zu richten, so ist anzustreben, dass der Ewigkeitssonntag nicht nur so in der Agende steht, sondern auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht. Zwar ist er eine Silbe länger als der Totensonntag, und „ewig“ erscheint abstrakter als „tot“. Aber im Ewigkeitssonntag ist inbegriffen, dass die Verstorbenen, derer wir an diesem Tag in den Gottesdiensten gedenken, nicht verloren, sondern in den Armen des Ewigen aufgehoben sein sollen. Denn „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Matthäus 22, 32)

[erstveröffentlicht im Evangelischen Kirchenboten 47/2008, S.1]

Sonntag, 16. November 2008

Zum Volkstrauertag: Ein Moment der Schwäche im Leben meines Großvaters

Mein Großvater war ein kräftiger Mann. Einer, der anpacken konnte. Einer, der die Dinge am liebsten selbst erledigte, mit seiner eigenen Hände Arbeit. Einer, der ungern von anderen abhängig war.

Umso verständlicher erscheint mir heute, dass die eine Begebenheit in seinem Leben, von der er mehrfach erzählte, ein Moment der Schwäche war.

Es war kurz nach Kriegsende, er war zwanzig Jahre alt und auf dem Weg in die russische Gefangenschaft. Dass er es überhaupt bis zum Ziel schaffte, verdankte er einem Kameraden, der ihn stützte und mitschleppte, als ihm selbst die Kräfte versagten. Dieser Kamerad rettete meinem Großvater das Leben, denn, so erzählte er, wer nicht selbst laufen konnte, am Wegesrand liegen blieb, der wurde erschossen.

Letztlich verdanke damit auch ich mein Leben diesem für mich namenlos gebliebenen Kameraden.

Mein Großvater hat den Krieg und die Gefangenschaft überlebt. Doch obwohl er ansonsten nicht viel darüber gesprochen hat, konnte man ihm die Spuren anmerken, die diese Erfahrungen hinterlassen haben:

in seiner Ernsthaftigkeit,
in seinen Schwierigkeiten mit Gott und Glaube,
und selbst im liebevollen Umgang mit seinen Enkeln, woraus er möglicherweise schließlich Trost und Hoffnung zog.

Heute, am Volkstrauertag, gedenke ich nicht nur der vielen Toten, die aus Kriegen hervorgingen – sondern auch dessen, was Kriege in den Überlebenden angerichtet haben und immer noch anrichten.

Donnerstag, 6. November 2008

Ein Blog ohne Feed ist wie ein Frühstück ohne Nutellabrot

Toll. Da findet man über den Wikipedia-Artikel "taz" zum "Achtung: tazblog" von Hans Pfitzinger, freut sich drüber und will es seiner Google-Reader-Leseliste hinzufügen - und dann gibt's nicht mal einen Feed!

Schade, schade - die Chance, mindestens einen weiteren regelmäßigen Leser zu gewinnen (mich), wurde damit verpasst. Denn ohne Feed finde ich sicher nur höchst sporadisch wieder dorthin.

Mittwoch, 5. November 2008

Barack Obama und die Messiaserwartung

Kam mir gerade so in den Sinn:

Zu Jesu Zeiten projizierten viele Menschen in die Vorstellung des kommenden Messias ihre Hoffnungen auf einen, der mit dem Schwert dreinschlägt und das unterdrückte Volk mit Gottesgewalt vom Joch der Römer befreit. Beim neuen Messias Barack Obama erwarten irgendwie alle, dass er den Frieden bringt und die Welt durch ihn besser wird.

Jesus damals hat die Erwartungen vieler seiner Anhänger enttäuscht ...

Dienstag, 4. November 2008

Was ich lese und gelesen habe ...

... versuche ich einigermaßen regelmäßig bei Lovelybooks zu aktualisieren. Ich bitte die folgende unschöne iframe-Ansicht zu entschuldigen; Lovelybooks bietet derzeit leider weder einen RSS-Feed noch ein Blogwidget für die eigene Bibliothek an.

 

Freitag, 31. Oktober 2008

Jesus aus Schokolade - zum Aufregen oder zum Anbeißen?

Es ist ein Jesus zum Anfassen - und Anbeißen. Vollmilch, 100 Gramm – der "Goldjesus" oder "Sweetlord", der Heiland ganz aus Schokolade, den sich Frank Oynhausen aus Duisburg ausgedacht hat.

Der erfährt derzeit allerdings viel Gegenwind:
Ein bayerischer Hersteller von Verpackungsfolie kündigte die Zusammenarbeit auf. Beim 1. Paderborner Schoko-Festival am vergangenen Wochenende intervenierte die Stadt, so dass der Schokojesus nicht ausgestellt wurde, und das katholische Bistum kritisierte die Verkitschung Jesu. Selbst die Evangelische Kirche wies Oynhausen per E-Mail darauf hin, er müsse mit Protesten seitens der Gläubigen rechnen.

Ich persönlich kann diese Aufregung nicht verstehen.

Kommerz? Gotteslästerung? Bitte, bleiben wir doch auf dem Boden.
Ich meine, gotteslästerlich wird der Kommerz an anderer Stelle. Zum Beispiel, wenn Spekulatius und Lebkuchen schon ab Ende August im Laden stehen. Zum Beispiel, wenn es als selbstverständlich angesehen wird, dass Adventssonntage verkaufsoffen sind. Zum Beispiel, wenn christliche Symbole und Gestalten wie der heilige Nikolaus und das Christkind verdrängt werden von Figuren wie dem Weihnachtsmann und seinen Rentieren.

Da sage ich: Lieber als dieser seltsame Typ im roten Mantel mit weißem Fellbesatz, der einen großen Sack auf dem Rücken trägt, manchmal im glitzernden Cola-Laster angefahren kommt, und nicht viel mehr zu sagen hat als: "Ho Ho Ho" - also, lieber als dieser Typ wär' mir der Schokojesus allemal.

Und, mal ehrlich: Jesus in aller Munde - das wäre doch super!

Montag, 20. Oktober 2008

Web 2.0 - Der Hype ist vorbei, jetzt wird gearbeitet

In diesem Fundstück steckt doch ein feines Körnchen Ironie:



Wenn das mal nicht unfreiwillig komisch ist. Ich musste jedenfalls laut lachen. :-)

Sonntag, 19. Oktober 2008

ZDF selbst veröffentlichte Heidenreich-Kritik bereits Anfang Mai!

Gerade stoße ich in der ZDF-Mediathek auf ein Interview mit Elke Heidenreich zum fünfjährigen Bestehen der Sendung "Lesen!". Der Beitrag stammt vom 1. Mai 2008, und darin formuliert Frau Heidenreich bereits deutlich ihre Kritik am ZDF in Bezug auf ihre Sendung.
"Ein Flop ist auf jeden Fall die Verlegung des Termins auf den Freitagabend. Die Sendung ist da zu spät, ist schlecht positioniert, freitags haben die Leute was anderes vor. Das hat uns extrem geschadet und nicht gut getan, und ich wünschte, man könnte das rückgängig machen." (aus der Antwort auf Frage 2)

"Außerdem ist es wichtig, dass Sender die Kultur beachten. Sie tun das meiner Meinung nach viel zu wenig. Die Kultur wird immer noch in die Nachtstunden geschoben, wo nur die Intellektuellen sitzen, die's eh wissen. Wir müssten, wenn ich ehrlich bin, mit einer Sendung wie 'Lesen!' 45 Minuten lang sein und deutlich vor 22 Uhr. Das ist nicht der Fall, das schmerzt mich. Die Sendung hat sich nicht überlebt, aber sie kämpft schwer ums Überleben, und wenn wir keine besseren Sendeplätze kriegen, weiß ich nicht, ob sie überlebt." (aus der Antwort auf Frage 5)

Was meiner Meinung nach zweierlei bedeutet:

Erstens hat sich Elke Heidenreich in ihren FAZ-Kritiken vom 12. ("Reich-Ranickis gerechter Zorn") und 19. Oktober ("Der Kampf fängt gerade erst an!") nicht einfach nur an Marcel Reich-Ranickis Fernsehpreis-Eklat angehängt, wie ihr vereinzelt vorgeworfen wurde. Sondern sie hat den Kern ihrer Kritik - der sich naturgemäß auf ihre eigene Sendung bezieht - bereits vor Monaten formuliert und sogar öffentlich gemacht.

Zweitens scheint der Herr ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut ebendiese Kritik - wohlgemerkt: die in der ZDF-Mediathek veröffentlicht wurde! - nicht wahrgenommen oder eben ignoriert zu haben, wenn er sich nun auf einmal "persönlich enttäuscht" zeigt von Elke Heidenreich und das Einfordern eines besseren Sendeplatzes "mit Verwunderung zur Kenntnis" (!) nimmt.

Für mich ist die Sache klar: Programmplaner wissen sehr genau, was welcher Sendeplatz für eine Sendung bedeutet. Wenn "Lesen!" auf einen offensichtlich schlechteren Sendeplatz geschoben wurde, dann steckte dahinter mit ziemlicher Sicherheit bereits die Absicht, die Sendung mittelfristig abzuschießen. Welcher wahre Grund auch immer dahinterstecken mag - dann hat man den einzigen Grund, der zählt: Auf dem schlechteren Sendeplatz gibt's schlechtere Quoten.

Elke Heidenreich ist lange genug im Geschäft, um diese Vorgänge selbst zu durchschauen - mag sie einen Funken Hoffnung auch auf das Versprechen der Zurückverlegung gesetzt haben, das man ihr nach ihrer Darstellung für den Fall gegeben hat, dass die Sendung am Freitagabend nicht gut läuft. Wenn es jemanden gibt, der Grund hat, "persönlich enttäuscht" zu sein, dann ist sie es. Das mag nicht jede harsche Einzeläußerung ihrer FAZ-Tiraden rechtfertigen, aber menschlich verständlich ist es.

Die nächsten Sendetermine für "Lesen!" sind Freitag, der 31.10., 22.30 Uhr (mit Campino), und Freitag, der 5.12., 22.30 Uhr (mit Stefan Aust). Ich gebe hiermit die Parole aus:

"'Lesen!' gucken! Macht Quote für Elke!"


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Donnerstag, 9. Oktober 2008

Plattenteller-Blog-Stöckchen

Heute greife ich mal ein Blogstöckchen auf. Zwar hat es mir niemand zugeworfen, aber ich habe es selbst erschnüffelt, in Heunis Blog.

Hier die Fragen und meine Antworten:

Welches war die erste Platte, die du bekommen hast?

Schwer zu erinnern. Meine erste Stereoanlage (eine Kompaktanlage von Schneider) kaufte ich von meinen Konfirmationseinnahmen; das dürfte 1987 gewesen sein, ich war 14. Weil sie eine ultracoole neue Technik namens Compact Disc Player mitbrachte, brauchte es natürlich auch ebensolche CDs zum Klangtesten. Ich entschied mich eigenwilligerweise für den Soundtrack zu "Otto - Der neue Film" sowie die "Greatest Hits" von Bill Haley.

Ein Plattenspieler gehörte damals noch zur Standardausstattung einer Stereoanlage, so auch zu dieser. Welche Platte ich darauf als erste abspielte, weiß ich nicht mehr; zu schnell durchmischten sich eigene LPs mit solchen aus der Plattensammlung meiner Eltern. Zu meinen ersten eigenen LPs gehörten jedenfalls "The Joshua Tree" von U2, Deep Purples "24 Carat Purple" und "Stormbringer", Jeff Healeys "See The Light", David Hasselhoffs "Night Rocker", sowie die Maxi-Version von MC Hammers "U Can't Touch This".

Welches ist das neueste Album in deiner Sammlung?

Jeff Healey: "Mess of Blues" (2008).

Welche Platte hat dein Leben verändert?

Jerry Lee Lewis: "Great Balls of Fire" - Natürlich bezieht sich das nur auf mein musikalisches "Leben".

Nenne die meistgehörte Scheibe deiner Sammlung.

Jerry Lee Lewis: "Last Man Standing".

Welche Platte hat das beste Cover?

Ich achte nicht besonders auf Cover. Vom CD-Zeitalter an sind die sowieso zu mini geworden. Deshalb kommt mir spontan nur das "Stormbringer"-Cover in den Sinn, was einerseits cool, andererseits aus heutiger Sicht aber auch irgendwie zu 1970er-psychedelisch ist. Pink Floyd "The Wall" kommt noch in Frage. Und "Dusk" von The The hat sich in meinem Bildgedächtnis auch aus irgendeinem Grund festgesetzt.

Auf welchem Album sieht das Cover richtig beschissen aus?

Wie gesagt, Cover sind mir nicht so wichtig. Viele Blues-, Boogie-, Rock'n'-Roll-, etc.- Sampler haben lieblos gestaltete Cover. Am beschissensten sehen aber die Cover von selbstgebrannten CDs aus.

Nenne eine Platte, die du deinem besten Freund empfehlen würdest.

Nur eine? So sehr beschränken kann ich mich nicht.

U2: Rattle and Hum
The The: Dusk
Konstantin Wecker / Hannes Wader: Was für eine Nacht...!

Welches Album würdest du deinem Todfeind andrehen?


Vor ein paar Jahren ergatterte ich voller Begeisterung eine Best-of-Simon-and-Garfunkel-CD für 5 Euro, nur um zu Hause festzustellen, dass es lauter Instrumentalversionen irgendeines Symphonieorchesters à la "Klassik meets Pop" sind. Das wäre ein Top-Kandidat für diesen Zweck.

Mit welchem Album würdest du versuchen, eine Dame von dir zu überzeugen?

Das habe ich zwar nicht mehr nötig, aber ich glaube, wie mir gefällt auch vielen Damen nach wie vor Melissa Etheridges Album "Brave & Crazy" (und nicht nur dieses).

Welche Platte würdest du vorspielen um einen Gleichgeschlechtlichen deine Schokoladenseite zu präsentieren?

Es geht um Angeben? Alpha-Männchen machen? Hm. Dann wohl ausgewählte AC/DC-Titel. Deep Purple ist zeitlos gut, "Child In Time" beispielsweise geht immer. Ach nein, am ehesten U2, den guten alten "Joshua Tree", oder auch eines der neueren Alben, "How To Dismantle an Atomic Bomb".

Welche Platte versüßt dir das Autofahren?

Alles von Jerry Lee Lewis. Dick Brave & The Backbeats. "Mess of Blues" von Jeff Healey. Und selbst zusammengestellte Mp3-CD-Sampler mit rockiger Gute-Laune-Musik wie z.B. "All Summer Long" von Kid Rock, "Mmmbop" von Hanson, "Long Time Gone" von den Dixie Chicks, "Johnny B. Goode" von Chuck Berry, "Rollin'" von Maria Daines

Gibt es ein Album, auf dem du besonders gerne mitgespielt hättest?

Mitgespielt? Zumindest wäre ich gerne dabei gewesen, als Jerry Lee Lewis in den 1950ern seine ersten Aufnahmen bei Sun Records machte und seine ersten Livekonzerte gab.

Welche Schmuckstücke verbergen sich in der Plattensammlung deiner Eltern?

Was habe ich da ausgegraben? Eine Cat-Stevens-Platte, wenn ich mich recht erinnere. Und eine großartige Aufnahme des "St. Louis Blues" von Louis Armstrong.

Welche Platte aus deiner Sammlung verdient das Prädikat “peinlich”?

Nachdem ich die o.g. Soundtrack-CD zu "Otto - Der neue Film" irgendwann meinem Bruder vermacht und eine Modern-Talking-MC (War es das vierte Album, "In The Middle of Nowhere"? Ich bin nicht ganz sicher) auf dem Flohmarkt verscherbelt habe, fällt mir zu dieser Frage auf Anhieb nichts ein.

Obwohl ... die Hasselhoff-Platte habe ich noch ...

Welches Lied trällerst du vor dich hin, während du dich unter der Dusche abschrubbst?

Derzeit wahlweise "Mercy" von Duffy oder "All Summer Long" von Kid Rock.

Empfehle eine Platte aus den Siebzigern.

Deep Purple in Rock

Empfehle eine Platte aus den Achtzigern.

U2: The Joshua Tree

Empfehle eine Platte aus den Neunzigern.

Fury In The Slaughterhouse: Mono

Empfehle eine Platte aus den Zweitausendern.

Jeff Healey - Mess of Blues

Mit welchem Song lässt sich deine Gesinnung am besten zusammenfassen?

U2: One

Welche Beschallung wünschst du dir zu deiner Beerdigung?

Vor knapp 15 Jahren gab es eine Phase, da hätte ich sofort geantwortet: Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll. Heute habe ich keine schnelle Antwort parat.


So weit meine Antworten. Und weil ich keine Lust auf die ursprünglich gestellte Aufgabe dieses Blogstöckchens habe, nun ein Mosaik aus passenden, bei Flickr zusammengesuchten Bildern zu erstellen, wandle ich das Stöckchen ein wenig ab und poste ein Mixtape mit einer Auswahl der o.g. Titel und Interpreten. Viel Spaß!




Ansonsten mag das Stöckchen von hier aufgreifen, wer will.

Freitag, 26. September 2008

Heimvorteil / Moschee, nein Danke



Das klingt interessant, finde ich - mal sehen, ob ich am Montagabend daran denke:
Heimvorteil / Moschee, nein Danke
ein Film von Jan Gabriel

29. September 2008, 23.15 Uhr, SWR

“Heimvorteil” erzählt die Geschichte eines seit 20 Jahren andauernden Moscheebaukonflikts in der baden-württembergischen Kleinstadt Wertheim.

Ömer Akbulut lebt seit über 30 Jahren in Wertheim und engagiert sich als Sprecher der islamischen Gemeinde für den Bau einer Moschee mit Minarett und Kuppel. “Wenn ich eine Moschee bauen darf, sehe ich mich als akzeptiert und dann ist das hier meine Heimat.”

Der mittelständische Firmeneigentümer Willi Schwend sieht das anders: “Dies ist unsere Heimat und die werden wir verteidigen und versuchen zu bewahren.” Er gründete eine Bürgerinitiative, die über die kleinstädtische Grenze hinaus mittlerweile deutschlandweit gegen die “Islamisierung” und den Neubau von Moscheen kämpft.

Regisseur Jan Gabriel begeleitet den Moscheebaukonflikt über zwei Jahre und macht in seine 60-minütigen Dokumentarfilm sichtbar, wie Herr Schwend seinen “Heimvorteil” in Wertheim nutzt und wie die Muslime mit dieser Ablehnung umgehen müssen.
http://www.moscheeneindanke.de
http://www.heimvorteil-film.de

Donnerstag, 25. September 2008

Die Goldene Regel stammt nicht von Jesus!



Beim Vortrag des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Dr. Wolfgang Huber, vorgestern auf dem Deutschen Pfarrertag in Speyer, habe ich mal wieder etwas dazugelernt. Bisher war ich der Meinung, die Ursprungsfassung der "Goldenen Regel" sei die positive, wie sie Jesus in der Bergpredigt formulierte:
"Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!"
(Matthäus 7,12a; Luther 1984)
Ich dachte, erst der Volksmund habe diese Regel zum Sprichwort in der Negativfassung umformuliert. Tatsächlich findet sich genau dieses aber bereits im apokryphen Buch Tobit (Tobias in der Lutherbibel):
"Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu!"
(Tobit 4,15; Einheitsübersetzung)

"Was du nicht willst, daß man dir tue, das tu einem andern auch nicht."
(Tobias 4,16; Luther 1912)

"Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu."

(Tobias 4,16; Luther 1984 mit Apokryphen)
Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet WiBiLex.de bezeichnet diese Regel unter Punkt 2.5 5) sogar als "Gipfelpunkt der ethischen Weisungen des Tobitbuches".

Das Buch Tobit ist etwa 200 Jahre vor Christi Geburt entstanden. Es hat also nicht der Volksmund die Positivfassung der Goldenen Regel aus der Bergpredigt Jesu verändert, hin zu einer "Ich-tu-dir-nichts-tu-du-mir-auch-nichts"-Version. Sondern Jesus hat auf diese bereits bekannte Regel zurückgegriffen und ihr einen neuen, aktivierenden, viel fordernderen Dreh gegeben.

Wie auch Bischof Huber in seinem Vortrag deutlich machte, dass die negativ formulierte Goldene Regel durchaus eine gute ethische Weisung ist, sie aber in manchen Fällen zu absurden Konsequenzen führt. So müssten die freundlichen Damen vom Ordnungsamt darauf verzichten, Knöllchen auszustellen - denn sie selbst würden solche bestimmt auch nicht gerne haben wollen, und "was du nicht willst, dass man dir tu ..."

Weihnachten mit Melissa Etheridge

Wie ich gerade erfahre, erscheint am 14. November eine CD mit Weihnachtsliedern von Melissa Etheridge, "A New Thought For Christmas", bei Amazon erhältlich für 19,99 Euro. Die Titelliste lautet:

1. Blue Christmas
2. Glorious
3. Christmas (Baby Please Come Home)
4. Have Yourself A Merry Little Christmas
5. Ring The Bells
6. Merry Christmas Baby
7. Christmas In America
8. Light A Light
9. It's Christmas Time
10. O Night Divine

Dienstag, 23. September 2008

"Welche Werte braucht das Land?" - 700 Pfarrerinnen und Pfarrer diskutieren in Speyer

Seit gestern findet in Speyer der 70. Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag statt. 700 evangelische Geistliche sind dazu aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarkirchen angereist.

Boah, 700 Pfarrer auf einem Haufen, werden die einen sagen, das hält ja kein Schwein aus! Andere sehen es vielleicht positiv: Da muss Speyer ja direkt in den Himmel fliegen!

Scherz beiseite: Der Schwerpunkttag heute steht unter dem Motto „Was du nicht willst, das man dir tu“, und die Pfarrerinnen und Pfarrer diskutieren dabei die Frage „Welche Werte braucht das Land?“ Die Kirchen sind hier gefragt, denn kaum läuft etwas schief in der Gesellschaft, bleibt jemand auf der Strecke im undurchsichtigen Auf und Ab von Geldwirtschaft und Arbeitsmarkt, sollen sie es richten mit ihrer frohen Botschaft und diakonischem Handeln.

Das tun die Kirchen auch. Aber mit der Frage „Welche Werte braucht das Land?“ wollen die Pfarrer in Speyer deutlich machen: Es reicht nicht, wenn diese Aufgabe nur den Kirchen zugeschoben wird. Es ist eine Frage, die die gesamte Gesellschaft, die alle angeht.

Und letztlich kann es dann nicht genügen, nur zu sagen: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Also: "Ich tu dir nix Böses, tu du mir auch nix Böses." Und damit hat es sich.

Die original „Goldene Regel“, wie sie Jesus in der Bergpredigt formuliert hat, lautet entscheidend anders: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" (Mt 7,12). Handle an anderen Menschen so, wie Du auch von ihnen behandelt werden möchtest. Es geht darum, aktiv Gutes zu tun, nicht nur, nichts Böses zu tun. Das ist viel schwieriger. Aber nur das ist der Weg zu einem besseren Umgang miteinander. Machen wir aus der "Goldenen Regel" kein Blech.

Montag, 22. September 2008

Karten oder Würfel - was denn jetzt? Das "Entdeckungsspiel Presbyterium" der pfälzischen Landeskirche

Die Vorbereitungen zu den Presbyteriumswahlen in den pfälzischen Kirchengemeinden am 1. Advent laufen auf Hochtouren. Das erklärte Ziel ist, wieder eine Wahlbeteiligung von über 30 Prozent zu erreichen. Ein Produkt der Vorbereitung ist das "Entdeckungsspiel Presbyterium", das der Leiter des Religionspädagogischen Zentrums in Neustadt a.d.W., Pfarrer Michael Landgraf, unter Mitarbeit von Bernadette Ritter, Jill Rohde und Rita Kurtzweil entwickelt hat. Das Spiel wurde schon im Sommer an alle Gemeindepfarrämter versandt, kann
aber auch im Öffentlichkeitsreferat der pfälzischen Landeskirche zum Preis von fünf Euro
angefordert werden.

Ich schreibe hier nicht über dieses Spiel, weil ich es so toll finde und allen Gemeinden ans Herz lege. Wahr ist, dass ich es noch überhaupt nicht zu Gesicht bekommen habe. Ich möchte aber gerne das Schmunzeln weitergeben, dessen ich mich nicht erwehren konnte, als ich gerade die Pressemitteilung zu diesem Spiel in meiner Mailbox fand. Da wird das Spielmaterial folgendermaßen beschrieben:
Es gibt keine hundertseitige Spielanleitung, keine große Kiste mit hochglänzendem Spielplan und schon gar keine Konsole mit Joystick. Das Spiel besteht lediglich aus 19 Karteikarten im Format DIN-A5, auf denen jeweils eine kurze Einführung, der Spielablauf und gegebenenfalls die Lösungen verzeichnet sind und zwölf kleinen Rollenkarten zum Ausschneiden.
So weit, so gut. Aber welche Grafik finde ich im Anhang der E-Mail?

Freitag, 19. September 2008

Auf der Suche nach dem Gott-Teilchen

Vor etwas über einer Woche wurde er in Betrieb genommen: der Large Hadron Collider, kurz LHC, am Kernforschungszentrum CERN in Genf, die größte von Menschen gebaute Maschine. 27 Kilometer Länge misst der 150 Meter unter der Erde liegende Tunnelring des Teilchenbeschleunigers. Seine Baukosten alleine - ohne die zur Ergebnisanzeige notwendigen Detektoren - betrugen rund drei Milliarden Euro.

Und wofür? Sehr vereinfacht gesagt: für ein gigantisches Mikroskop. Paradoxerweise werden die Messgeräte umso größer, je kleiner die untersuchten Objekte sind. Oder genauer gesagt: die gesuchten Objekte. Denn das Higgs-Teilchen, das die CERN-Wissenschaftler unter anderem erforschen zu können hoffen, existiert bislang nur in der Theorie. Ihm werden Eigenschaften zugeschrieben, die diejenigen eines Schöpfergottes sein könnten: Es muss der Theorie zufolge im Universum allgegenwärtig sein, und es ist allmächtig in dem Sinne, dass es allen anderen Teilchen ihre Masse verleiht, also die Eigenschaften der Materie steuert. Darum nennen es manche Physiker auch das "Gott-Teilchen".

Eine öffentlichkeitswirksame Bezeichnung, durchaus. Es schwingt darin auch deutlich der Wunsch mit, die letzten Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Aber wie christliche Theologen aller Couleur sich hüten sollten, die biblischen Schöpfungsgeschichten als naturwissenschaftliche Weltentstehungstheorie zu behaupten, so sollten Physiker nicht einfach religiöse Formulierungen auf ihre Erkenntnisse übertragen. Es könnte der Verdacht entstehen, die Naturwissenschaftler wollten sich mit der Entdeckung des Gott-Teilchens die Deutungshoheit für alle menschliche Erfahrung sichern.

Dem gegenüber wäre festzuhalten: Die Experimente mit dem LHC bringen - hoffentlich - faszinierende neue Erkenntnisse über Anfang und Struktur des Universums. Sie werden jedoch nichts daran ändern, dass wir weiterhin mit Luther sagen können:. "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen ..."

(Dieser Artikel erschien - leicht gekürzt - auch in der Ausgabe 38/2008 des Evangelischen Kirchenboten)

Dienstag, 16. September 2008

Alle gegen Kinderarmut - aber weiß die eine Hand, was die andere tut?

Bei mir trudelt derzeit eine Meldung über Initiativen gegen Kinderarmut nach der anderen ein. Den Eindruck konzertierten Vorgehens macht das nicht, aber immerhin, es geschieht etwas. Was, das möchte ich in diesem Beitrag zusammenfassen:

1. In der pfälzischen Landeskirche wurde am vergangenen Sonntag in Ludwigshafen eine Kampagne gegen Kinderarmut eröffnet. Aus der Pressemitteilung vom 14.9.2008:
Mit einem Familiengottesdienst eröffnete das Diakonische Werk Pfalz heute in der Matthäuskirche in Ludwigshafen seine traditionelle Herbstopferwoche und startete zugleich seine Kampagne gegen Kinderarmut. Unter dem Motto "Absprung! Raus aus der Kinderarmut" rief das Diakonische Werk Pfalz dazu auf, die Situation armer Kinder in Rheinland-Pfalz in den Blick zu nehmen, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren und tragfähige Konzepte zur Armutsprävention zu entwickeln. (...)

In seiner Eröffnungsansprache wies Landespfarrer für Diakonie Gordon Emrich darauf hin, dass in Deutschland jedes fünfte bis sechste Kind unterhalb der Armutsgrenze lebe, in Ludwigshafen sogar jedes vierte Kind in Armut aufwachse. (...) Aufgrund der komplexen Problematik führten eindimensionale Lösungen einzelner Akteure nicht weiter. Eine breite Vernetzung von Verantwortlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft zum Wohle der Kinder und ihrer Familien sei anzustreben. Er wünsche sich, dass neben dem Kirchenbezirk Ludwigshafen und der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen viele Menschen die Kampagne unterstützen. Ganz besonders freue er sich, dass der prominente Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk sich als Botschafter für die Kampagne engagiere.
Was geschieht konkret bei dieser Kampagne, außer dass der Erlös dieser Herbstsammlung sowie der künftigen Sammlungen für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit von Diakonie, Kirchenbezirken und Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz bestimmt ist? Wie wird das Anliegen der Kampagne in die Kirchengemeinden hineingetragen? Darauf antwortete mir Landesdiakoniepfarrer Gordon Emrich im Interview für die RPR1-Nachrichten:
"Es gibt einen Flyer, den die Kirchengemeinden zugestellt bekommen, mit den wichtigsten Informationen über Armut und ihre Auswirkungen auf Kinder. Es gibt daneben eine Arbeitshilfe für die Kirchengemeinden, für Konfirmanden- und Schulunterricht sowie Gottesdienstgestaltung, und es gibt darüber hinaus noch Informationen, die wir zur Verfügung stellen, wenn Kirchengemeinden mit ihren Gruppen sich mit dem Thema Kinderarmut auseinandersetzen wollen."
Die Arbeitshilfe steht auf der Homepage der pfälzischen Landeskirche als pdf-Datei zum Herunterladen bereit.

2. In Hannover findet/fand heute ein unter anderem von der Nationalen Armutskonferenz veranstalteter Fachtag zum Dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung statt. Aus der Pressemitteilung vom 16.9.2008:
Ein Sofortprogramm gegen Kinderarmut hat heute der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (NAK) und Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, gefordert (...): „Die Politik ist sich einig: Bereits morgen könnten Lernmittelfreiheit, ein kostengünstiges Mittagessen in der Ganztagsbetreuung oder der Ganztagsschule und kostenloser Schülertransport mindestens für arme Kinder überall zum Rechtsanspruch werden. Bund, Länder und Kommunen müssen endlich klären, wer auf welcher Ebene die Verantwortung dafür trägt. Die Erhöhung der staatlichen Unterstützung von Kindern darf nicht im Zuständigkeitsstreit zwischen den unterschiedlichen Finanziers aufgeweicht oder gar verhindert werden.“

Gern sagte, dass gute Vorschläge zu lange in der Schublade lägen: Das „Schulmittelbedarfspaket“ für Hartz IV-Kinder sei schon im letzten November vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Gespräch gebracht worden. Doch zum aktuellen Schuljahresbeginn gebe es noch nicht einmal einen Gesetzentwurf. Er forderte eine 20-prozentige Erhöhung des Kinderregelsatzes. Die anstehende Erhöhung des Kindergeldes müsse auch bei den über zwei Millionen Kindern und Jugendlichen im Hartz IV-Bezug wirksam werden.

Der NAK-Sprecher sprach weiter den Zusammenhang von Kinderarmut und Bildungsmisere an. Dass Kinder in armen Familien aufwachsen, sei dramatisch. Dass sich diese Verhältnisse verfestigten, sei noch dramatischer. „Die Abwärtsspirale setzt dann ein, wenn Familien in einer Welt aus Unsicherheit und Armut gefangen sind. Denn wenn aus Kindern armer Eltern arme Eltern werden, dann werden soziale Lebenschancen vererbt“, sagte Gern.
3. Auch die Diakonie in der rheinischen Landeskirche befasst sich mit dem Thema. Für kommenden Freitag hat der Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Trier zum Pressegespräch eingeladen. Anlass ist die jährliche Geschäftsführungskonferenz der Diakonischen Werke in der Evangelischen Kirche im Rheinland, die vom 18.-19.9.08 in Trier stattfindet. Und die diesmal zum Schwerpunktthema hat - na, was wohl? Richtig: "Armut - Kinderarmut".

4. Und noch einmal Pfalz: Das Forum "Kind und Kirche" der pfälzischen Landeskirche veranstaltet am 1. Oktober in Kaiserslautern einen Studientag (genauer: Studienabend) zum Thema. Im Zentrum der Veranstaltung unter dem Titel "Armut wahrnehmen - Teilhabe ermöglichen" stehen vor allem ein Vortrag der Frankfurter Politikwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin Gerda Holz sowie die Präsentation bereits bestehender Projekte in Kirchengemeinden.

An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass bereits im Deutschen Pfarrerblatt 6/2008 ein grundlegender und äußerst lesenswerter Aufsatz von Gerda Holz unter dem Titel "Armut bei Kindern - eine deutsche Wirklichkeit. Handlungsansätze einer kindbezogenen Armutsprävention" erschienen ist, der auch im Internet verfügbar ist.

Donnerstag, 4. September 2008

Ich tue mir schwer mit "Ich tue mich schwer"

Das scheint eine eher regional verortete Sache zu sein: Umgangssprachlich, von meiner saarländischen Herkunft her, bin ich gewohnt, "Ich tue mir schwer damit" zu sagen. Jetzt, wo ich den Satz vor mir in einer zu redigierenden Rundfunkandacht lese, kommt er mir irgendwie falsch vor. Und weil mir dieses Problem vor kurzem bereits irgendwo begegnet ist, schlage ich endlich im Duden nach. Und der sagt:
- ich habe mich, selten mir damit schwergetan (ugs.)
Geht also beides. Aber ich korrigiere es dann doch in die laut Duden häufiger verwendete Form.

Mittwoch, 27. August 2008

Ziel 200.000 Spam-Mails: Ist Spamoholismus eigentlich heilbar?

Auch eine Weise, sich zu beschäftigen: Während die meisten Internetnutzer nach zuverlässigen Methoden suchen, sie von sich fernzuhalten, versucht da einer seit Januar 2007, gerade möglichst viele Spam-Mails zu bekommen:
Ich bin schon lange fasziniert von gutem Spam oder gutem Phishing, und ich klicke auch häufig auf Spam. Ich glaube, es macht richtig Spaß, Spammer zu sein - wenn es nur nicht so destruktiv wäre. Darüber hinaus bin ich fasziniert von automatischen Übersetzungen und furchtbarer Rechtschreibung, wie sie in Spam-Mails gerne praktiziert wird. (Die Idee)
Sein Ziel für das Jahr 2008: 200.000 Spam-Mails zu erhalten, das sind 548 täglich. Zum Vergleich: In meinem Google-Mail-Spam-Ordner landen derzeit zwischen 800 und 900 Spam-Mails monatlich.

Erfreulicherweise belässt es der Spamschlucker nicht nur bei diesem Ziel, sondern liefert auf seiner Website auch Auswertungen und interessante Erkenntnisse betreffend Spamming und Phishing, wie z.B.,
dass sich der weltweite Spamversand in der Hand weniger kleiner Spammergruppen befindet, (...). Die Zusammenarbeit zwischen den Spammern funktioniert wesentlich besser, als von der Antispam-Szene angenommen wird. Dabei dürfte zunehmend arbeitsteilig (und damit: wesentlich effizienter) gearbeitet werden: Infrastruktur (= Administration der Botnetze), Programmierung der notwendigen Malware, entsprechender Kontakte zur Herstellerszene, technische Maßnahmen für möglichst hohe Öffnungsquoten (= Überwindung von Spamfiltern) - jedes einzelne Agitationssegment wird von Spezialisten betreut, und bei Gott, sie sind gut.

Schließlich ist der Spam-Freund auch manns und kreativ genug, auf die E-Mail einer frierenden Russin namens Elena einzugehen, die sich einen Ofen wünscht - die landete auch irgendwann in meiner Mailbox. Er bietet ihr einen Heizlüfter an, worauf sie nicht eingeht, sondern den "Price of this oven in our local market" nennt: "6840.- Russian roubles". Und sie rechnet auch gleich exakt um: "equivalent of 194 Euros". Nach einer erneuten - eigentlich sehr einfühlsamen - Reaktion mitsamt hübschem Foto brach der Kontakt leider relativ schnöde ab ...

Schließlich verweist der Autor - Ehre, wem Ehre gebührt - auch auf Phil Bradley, der ein ähnliches Experiment schon 2002 durchgeführt hat.

Finde ich amüsant und bezogen auf Spam- und Phishing-Aktionen durchaus erkenntnisreich (und auch lehrreich für Netz-Newbies, welche E-Mails besser nicht zu beantworten oder weiterzuleiten sind!). Der Bitte des Spamaholics ...
Bitte unterstützt mich dabei, indem ihr die Adressen stephan@spamschlucker.org und bm@schweinischer-bote.de auf euren Webseiten verbreitet.
... komme ich hiermit gerne nach.

Immer noch finsterstes Mittelalter? Oder: Löscht endlich das Fegefeuer!

Folgendes Standbild aus einer Sendung des österreichischen katholischen Kirchensenders K-TV, den ich selbst nicht empfange, erreichte mich heute per E-Mail:


Wenn das katholischerseits immer noch in dieser Weise verbreitet wird, dürfte sich die Sache mit der Ökumene noch ein gutes Weilchen hinziehen. Denn davon können wir protestantischerseits nie abgehen: dass es keine Eigenleistung gibt, mit der wir uns die Gnade Gottes "verdienen" könnten. Die Gnade bleibt stets Geschenk.

Überhaupt: Ein Fegefeuer gibt es nicht. Aber solche und ähnliche Erkenntnisse brauchen in vatikanischen Kreisen eben etwas länger. Mich erinnert das wieder einmal an den Witz, in dem einer in die Hölle kommt, sich zunächst darüber wundert, dass dort eine Riesenparty steigt und es sich alle richtig gut gehen lassen, dann noch viel mehr darüber erstaunt ist, dass hinter einer hohen Mauer eine Gruppe armer Seelen doch unter Feuer und Schwefel brennt und leidet - und auf Nachfrage vom Teufel die Antwort bekommt: "Ach, das ist für die Katholiken, die wollen das so."

Montag, 11. August 2008

Unterschwellige Botschaften bei RTL?

Der österreichische Kollege Hans Spiegl hat im RTL-Spielfilm "Wächter der Nacht" eine Entdeckung gemacht, die durchaus als Subliminal durchgehen könnte. Oder ist das nur ein neuer Kopierschutz? Eine Besitzmarkierung? Ein Grafikfehler?

Freitag, 8. August 2008

Ist der Hund wirklich verhungert? - Die Debatte bei WKW, die Forderung nach Vergeltung, der Mensch als Ebenbild Gottes, und ein vorläufiger Abschluss des Ganzen

Mein Blogeintrag vom vergangenen Montag "Ist der Hund wirklich verhungert?", auf den ich im Diskussionsforum der besagten WKW-Gruppe hinwies, hat dort einige Reaktionen hervorgerufen. Freilich konzentrierte sich diese Debatte - ausgelöst natürlich durch die zugespitzte Überschrift - auf die Frage bzw. Behauptung, es sei nicht entscheidend, ob der Hund wirklich verhungerte oder nicht. Verwerflich sei vielmehr grundsätzlich, dass ein Lebewesen zum Kunstobjekt gemacht worden sei, zudem ein offensichtlich leidendes, dass außerdem viele Menschen daneben standen und nichts unternahmen, um dem Tier zu helfen - und dass die Aktion auch noch wiederholt werden soll (wobei zumindest Letzteres wohl inzwischen vom Tisch ist, wenn es denn überhaupt jemals drauf war...). Viel Zustimmung erfuhr der Satz, der in diesem Zusammenhang auf mehreren Webseiten zu lesen ist: "Wenn der Tod Kunst ist, ist die Kunst tot."

Ich habe Advocatus diaboli gespielt und die folgenden Thesen und Fragen formuliert:
  1. "Übrigens war der Tod schon immer Thema der Kunst. Ihn davon ausschließen zu wollen, würde ihn noch stärker tabuisieren als er es heutzutage ohnehin schon ist."
  2. "Wie ist es denn mit Fotografien aus Kriegsgebieten, von Flüchtlingen, von Erdbebenopfern etc.? Die 'besten' Pressefotografien werden regelmäßig gekürt. Damit stellen sie aber ebenfalls eine Kunstform dar. Sind diese Fotografen auch 'Ärsche', weil sie 'nur fotografiert' und nicht geholfen haben?"
  3. "Mal angenommen, das einzige, was wir wirklich gesichert sagen können, ist, dass hier ein lebender Hund zum Kunstobjekt gemacht wurde (nicht sicher ist, unter welchen Umständen, und mit welchem Ende) - müssten dann nicht alle diejenigen, die den Künstler allein schon aufgrund dieser Tatsache verurteilen, auch fordern:
    • Kein Tier darf mehr in einem Film mitspielen?
    • Keines in einem Zoo zu sehen sein?
    • Keines im Zirkus Kunststücke zeigen?
    • Keines bei Sportarten zum Einsatz kommen?
    • Genau genommen auch keines im Aquarium oder Käfig bei irgendjemandem zu Hause herumstehen, nur zum Anschauen und Ergötzen, vielleicht noch zum Spielen?"
In einer recht emotionalen Reaktion wurde Kriegs- und Katastrophenfotografen immerhin zugestanden, dass sie mutig sind und wichtige Arbeit tun, um diese Notlagen bekannt zu machen. Der Beweggrund dahinter dürfe aber nicht Geldgeilheit sein. In Zoo und Zirkus dürften derselben Schreiberin zufolge Tiere in der Tat nicht gehalten werden - obwohl zumindest für den Zoo auch positive Aspekte geltend gemacht werden könnten, dass nämlich beispielsweise schwache Tiere dort wieder zu Kräften gebracht sowie Nachzüchtungen für vom Aussterben bedrohte finanziert werden könnten. In Bezug auf Haustiere kam der berechtigte Hinweis, dass viele schon so an den Menschen gewöhnt seien (zumal wenn sie von Geburt an in der Menschenfamilie sind), dass sie kaum ausgewildert werden könnten. Allerdings könnte man hier einwenden, dass dies ja ebenfalls eine von Menschen geschaffene, unnatürliche Situation ist. Auf das Filmverbot für Tiere kam bislang keine Reaktion, obwohl (oder gerade deswegen, weil) diese Forderung der Situation der Kunstausstellung noch am vergleichbarsten ist.

Mehrere Äußerungen gehen dahin, dass der Künstler sein im Nachhinein selbst formuliertes Ziel tatsächlich erreicht habe, nämlich auf die Gleichgültigkeit der Menschen hinzuweisen: "Wenn ich den Hund als Kunstobjekt vor eine Wand binde, wird er plötzlich zum Fokus. Wenn er in der Straße vor Hunger stirbt, kümmert das keinen." Seine Vorgehensweise wird indes nach wie vor scharf kritisiert.

Manche Mitglieder der WKW-Gruppe vergreifen sich hinsichtlich der Person des Künstlers Guillermo Vargas heftigst im Tonfall. Ich wies schon in meinem ersten Blog-Eintrag zu diesem Thema auf die Morddrohungen gegen ihn hin. Bei WKW fallen Formulierungen wie "Hurensohn", "Monster", "Drecksau", "der gehört zurückgefickt und abgetrieben". Leider blieb auch die durch meinen Eintrag angeregte Debatte von solchen Äußerungen nicht verschont:
"Herzloses Subjekt"

"alder der soll sich selbst an de strick binden und verhungern und verdursten... (...)
so behinderte leute...die einfach nur übelst krank im kopf sind (...)
Und leute die dahin gehen und nix dagegen machen sind genau so assi behindert"

"dann gehört es diesem etwas von Lebewesen (denn der ist kein Mensch, und
schon gar kein Tier, Tiere foltern sich nicht gegenseitig!) nicht anders als dem armen
Hund. Würde bestimmt toll aussehen, den Kerl an der Leine, kurz vorm verhungern anzugaffen...so
wie ich mich kenne würde ich ihm dennoch ein Teller mit Essen zuschieben, aber erst
nachdem ich ihn eine Weile in seiner Strafe begutachtet hätte!"
Abgesehen von dem menschenverachtenden Gebrauch des Begriffes "behindert" als Schimpfwort, der unter Jugendlichen schockierenderweise immer noch (oder wieder?) angesagt zu sein scheint, entsprechen diese Äußerungen klar dem Wunsch, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Mehr noch, man will sich, um dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden Genüge zu tun, auch noch an dem Leiden des Künstlers ergötzen. Diesem werden Menschenrecht und Menschenwürde abgesprochen.

Selten ist mir so klar geworden, warum Jesu Forderung der Feindesliebe so bedeutsam ist: Weil keinem Menschen, auch nicht dem ärgsten Feind, dieses Recht und diese Würde abgesprochen werden dürfen. Tun wir dies und behandeln einen anderen Menschen nicht mehr als Menschen, dann verlieren wir selbst ebendiese Würde.

Und wenn ich jetzt auf die Gottebenbildlichkeit des Menschen hinweise, dann weiß ich schon, dass das vielen Mitgliedern der WKW-Gruppe nicht gefallen wird. Dass der Mensch Ebenbild Gottes sei (1. Mose 1,27), diese Lehre ist zu oft dazu missbraucht worden, sich über den Rest der Schöpfung zu erheben und Leid über sie zu bringen. Absurderweise, denn eigentlich sollte sie genau das Gegenteil bewirken: Der Mensch als Frau und Mann ist Ebenbild Gottes. D.h. er war es vor dem mythologischen Sündenfall. Heute, in der unerlösten Welt, hat er diese Ebenbildlichkeit verloren, sie ist zerbrochen, scheint nur in Fragmenten auf. Die Gottebenbildlichkeit ist seine Bestimmung, das, wie der Mensch von Gott her ursprünglich gedacht ist, wie er sein soll. Weil Gott der Schöpfer ist, der Grund allen Seins, die Liebe selbst, kann das Leiden von Schöpfung und Geschöpfen nicht in seinem Sinne sein. Je mehr der Mensch zum Leid anderer Teile der Schöpfung beiträgt, umso mehr zersplittert seine Gottebenbildlichkeit. Lebt er im Einklang mit der Schöpfung und lindert er Leid, so kommt er seiner Bestimmung, Gottes Ebenbild zu sein, näher. In diesem Sinne ist der Künstler genauso Gottes Ebenbild wie ich und jeder andere Mensch. Niemand hat das Recht, ihm dies abzusprechen. Der Mensch hat die Definitionsgewalt über die Natur: 1. Mose 2,19: "... denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen." Aber er hat nicht das Recht zu bestimmen, wer Mensch ist und wer nicht.

Dennoch bin ich insgesamt aufgrund dieser Debatte mittlerweile der WKW-Gruppe gegenüber versöhnlicher gestimmt. Es ist deutlich geworden, dass es doch Einzelpersonen gab - wenn auch angesichts von 44 000 Gruppenmitgliedern wohl nur eine kleine Minderheit -, die den Versuch unternommen haben, Details des Vorfalls zu recherchieren und zu rekonstruieren. Es sind Personen in der Debatte in Erscheinung getreten, die nicht nur Online-Petitionen unterschreiben, deren Nutzen zumindest zweifelhaft ist, sondern die im Fall der Fälle in ihren engen Möglichkeitsgrenzen tun, was sie können, um tierisches Leid (auch menschliches?) zu lindern: Beispielsweise eine Igelfamilie wieder aufpäppeln oder einen Streuner aus Italien mit nach Hause nehmen, entgegen tierärztlicher Prognose dessen Überleben sichern, um nun bereits vier Jahre den "dankbarsten und tollsten Hund der Welt" als Familienmitglied zu haben. Dass Letzteres sehr wahrscheinlich illegal und möglicherweise aufgrund von Krankheitsgefahr leichtsinnig gewesen ist, steht auf einem anderen Blatt - mir geht es in der positiven Würdigung hier um die Tatsache, dass ein Mensch sich durch den Anblick eines leidenden Mitgeschöpfs zum Handeln herausgefordert gesehen hat.

Das Problem der Straßenhunde ist ein sehr schwierig zu lösendes und stellt tierliebende Privatpersonen vor ein Dilemma: Man mag sich moralisch verpflichtet fühlen, ein hungerndes Tier zu füttern und so sein Leid zu lindern. Allerdings trägt man auf diese Weise dazu bei, dass sich die Hunde weiter vermehren und es im Endeffekt noch mehr hungernde Tiere gibt. Sehr eindrücklich fand ich diese Reportage über die Situation in der rumänischen Hauptstadt Bukarest: In dieser Stadt herrscht Krieg - Seit Jahren versucht die Bukarester Verwaltung erfolglos, eine Lösung für die Straßenhunde zu finden.

Ich will zum Schluss noch einmal auf die Absicht zurückkommen, die ich mit meiner Diskussionsanregung ursprünglich verfolgte. Ich fand meinen Standpunkt beim erneuten Herumrecherchieren zum Thema auf den folgenden Seiten von anderen Netizens sehr eindrücklich und pointiert formuliert, und das bereits vor Monaten. Ich lasse sie mit ihren Worten hier quasi für mich sprechen, um das Thema von meiner Seite damit - zumindest vorerst - abzuschließen.

"Die Aufregung zeigt einfach einmal mehr, dass viele Leute geneigt sind, (fast) alles zu glauben, was in dieser Art (massenhafte Verbreitung nicht überprüfter Informationen, Unterschriftensammlung) übers Internet verbreitet wird. Vor allem wenn es um Kinder und Tiere geht - da setzt bei manchem der "Wie schrecklich"-Reflex ein, der dann in hektischem Aktivismus endet. Dabei raus kommt dann eine Unterschriftensammlung, ein Massenmail oder eben solche Aufrufe in Foren.
(...) Was ich aus der Geschichte in jedem Fall lerne, ist noch weniger einfach zu glauben und mehr zu hinterfragen. Wenn man nämlich genauer drüber nachdenkt, kann man schon drauf kommen, dass da wahrscheinlich etwas nicht stimmt. (...)
Und zum Schluss: Ich bin nicht der Meinung, dass es legitim ist, leidende Wesen, die ihren Willen nicht äussern können, als Kunstobjekte zu missbrauchen. Ich bin überzeugt, dass es dem Habacuc nur darum ging, bekannt zu werden, und zwar auf Kosten einer unschuldigen Kreatur. Das ist moralisch zu verurteilen. Aber einen Grund zur Aufregung finde ich das jetzt nicht - schon nur aus Gründen der Fairness gegenüber den Wesen, für die sich niemand entrüstet, weil sie keine Plattform wie Habacucs Hund erhalten.
Abgesehen davon: Wenn jeder, der die Petition unterschrieb stattdessen 5 Euro an den Tierschutz gespendet hätte - ja dann hätte man vielleicht wirklich was Gutes aus der allgemeinen Entrüstung machen können... Das ist jetzt aber auf niemanden aus diesem Forum gemünzt - ich weiss, dass es hier Leute gibt, die sich stark für den Tierschutz engagieren und sich nicht nur darauf beschränken, Petitionen zu unterschreiben! Aber ich habe - wie man sicher gemerkt hat - ein Problem mit diesem organisierten Entsetzen was diesen Hund und andere, ähnlich gelagerte Fälle angeht."
- Ein weiterer Beitrag von Alfa Romea spricht einen zusätzlichen, auch aus meiner Sicht nicht unwichtigen Punkt an:
"Ich wünsche mir einfach einen etwas kritischeren Umgang mit solchen Aktionen. Der Hintergrund dieses Wunsches ist der, dass gerade mit Not und Elend extrem viel Schindluder getrieben wird, und das bringt mich wirklich auf die Palme. In diesem Fall ist es jetzt nur eine "harmlose" Unterschrift - in einem nächsten Fall wird dann vielleicht Geld gesammelt, so im Stile von "wenn jeder nur einen Euro zahlt" etc. Und wohin das Geld dann verschwindet, wird in vielen Fällen nicht kontrolliert. Und es gibt genug Schafe (= unkritische Leute) die blökend dem Leithammel (= Spendensammler) hinterherrennen, wenn dessen Story nur fies genug ist.
Eine Petition zu unterschreiben und dabei zB eine E-Mail-Adresse zu hinterlassen kann übrigens für den Unterschriftensammler auch gewinnbringend sein: Indem er die gesammelten Mail-Adressen an Spammer verkauft. Ich behaupte nicht, dass es im vorliegenden Fall so ist. Das mag alles tatsächlich extrem harmlos und nur für den guten Zweck sein. Aber wer von euch hat denn mal nachgesehen, wer genau hinter der Aktion steckt, woher die Leute kommen und was sie sonst noch so treiben?"
- Ein Beitrag auf Wunsch-Hund.de befasst sich schließlich mit dem Problem, dass wir auf dramatische Einzelfälle gerne heftig und aktionistisch reagieren, darüber aber die große Masse der Leidenden und die Möglichkeiten für langfristige Hilfe gerne außer Acht lassen:
"unabhängig von der Frage, was Kunst darf und ob man mit öffentlich gemachter Grausamkeit und zur Schau gestellter Gleichgültigkeit nicht falsche Signale setzt: Täglich sterben unzählige Tiere unter ähnlichen Bedingungen, täglich sterben vor allem auch unzählige Menschen unter ähnlichen Bedingungen. Bekommt ein Einzelfall ein Gesicht und vor allem einen konkreten "Schuldigen", kann man leicht Tierschutz fordern. Man hat das Gefühl, etwas tun zu können und sich hinterher besser zu fühlen.
Für die Massen an No Names, die solch ein Schicksal erleiden, hat unser Bewusstsein keine Lösungsmöglichkeit und deshalb blenden wir das generelle Thema lieber aus. Jeder erinnerte sich (zumindest eine Zeit lang) an den Namen Darfur und die dortige Hungerkatastrophe, weil es erbarmungswürdige Bilder wochenlang in den Nachrichten zu sehen gab. In den Monaten und Jahren zuvor, als die Menschen dort ohne Nachrichten-Aufmerksamkeit litten, waren sie für uns unsichtbar.
Gib einem Drama die entsprechenden Bilder oder einen herausgehobenen Einzelfall wie diesen Hund ohne Futter verenden zu lassen - dann wird es sichtbar und das schlechte Gewissen holt uns ein, weil es uns gut geht. Und weil wir uns leicht auf die scheinbar richtige Seite stellen können und uns hinterher etwas besser fühlen. Aktiver Tierschutz oder langfristig angelegte Entwicklungshilfe ist dagegen immer im Dienst, auch wenn keiner hinguckt. Zeit, den eigenen Geldbeutel oder noch besser das konkrete eigene soziale Engagement ins Spiel zu bringen. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn man sich gerade (gerne auch zurecht) über ein konkretes Drama aufregt. Stellvertretend für viele Organisationen, die sich neben Hunden auch um das Wohl aller anderen Tiere kümmern, deshalb hier der Link zum deutschen Tierschutzbund."

Montag, 4. August 2008

Ist der Hund wirklich verhungert?

Menschen regen sich gerne über Dinge auf, über die sich leicht aufzuregen ist, weil sie die Humanität anzusprechen scheinen. Wir reagieren schnell und impulsiv, wenn Emotion im Spiel ist. Wir wollen gute Menschen sein, die Frage, ob der Mensch von Grund auf böse oder gut ist, für letztere Antwortmöglichkeit entschieden wissen.

Wenn wir dann bei einem Thema, das uns aufregt und zu dem sich scheinbar leicht eine Position einnehmen lässt, auf eine Gruppe Gleichgesinnter treffen, womöglich sogar Tausende, wenn wir Zugriff zu einem Medium haben, das uns unsere Position leicht und schnell und gefahrlos öffentlich machen lässt, dann gibt es meist kein Halten mehr. Dann verzichtet mensch auch schon einmal auf jede eigene Recherche-Anstrengung, um sich darüber klar zu werden, wofür (oder wogegen) er sich da eigentlich einsetzt.

Vor einiger Zeit wurde ich auf wer-kennt-wen.de in die Gruppe „Künstler lässt Hund verhungern" (Neue Rechtschreibung von mir: ß - ss) eingeladen. Es geht um den Künstler Guillermo Vargas Habacuc, der im Oktober 2007 in einer Galerie in Nicaragua einen abgemagerten Hund ausstellte, bis dieser - so die Legende - jämmerlich verhungerte.

Nun soll der Gruppenbeschreibung zufolge diese Aktion bei der "Bienal Centroamericana Honduras 2008" wiederholt werden. Dagegen – bzw. gegen die Präsenz des Künstlers bei dieser Veranstaltung überhaupt – gibt es eine Online-Petition, die Hunderttausende bereits unterzeichnet haben. Die WKW-Gruppe hat über 40 000 Mitglieder.

Weil mich schon viel zu viele ähnlich gelagerte Ketten-E-Mails und Petitionen erreicht haben, von denen ich fast alle nach einer einfachen Gegenprüfung beim Hoax-Info-Service in die digitale Mülltonne treten konnte, war ich auch hier zunächst skeptisch. Misstrauisch machte mich vor allem eine Fotoserie, die in einem Album der WKW-Gruppe zu sehen ist, und die den angeketteten und schließlich verhungerten Hund zeigen soll:



Für jeden leicht zu erkennen ist, dass der Hund auf dem dritten Bild nicht angeleint ist und auch nicht vor derselben Wand liegt wie auf den ersten beiden Bildern. Aufgrund der schlechten Fotoqualität lässt es sich zwar nicht eindeutig sagen, aber mir scheint das dritte Bild generell ein ganz anderes Tier zu zeigen.

Selbst im von der WKW-Gruppe verlinkten Spiegel-Online-Artikel, der ansonsten sicher davon auszugehen scheint, dass der Hund während der Ausstellung verhungert ist, wird aus den Zitaten des Künstlers deutlich, dass niemand den toten Hund gesehen, geschweige denn fotografiert hat. Er war vielmehr auf einmal "verschwunden" - ob er entwischt ist oder freigelassen wurde, ist nicht zu bestimmen.

Zugegeben: Die Internetrecherche zu diesem Thema gestaltet sich schwierig, weil unter den Suchergebnissen zunächst ungeheuer viele Webseiten und Blogbeiträge erscheinen, die sich über die "Kunst-Aktion" echauffieren. Internetrecherche allein genügt auch eigentlich nicht, um Sicherheit über die Vorgänge zu gewinnen. Sie reicht aber zumindest aus, um sagen zu können: Was da tatsächlich passiert ist, können wir von hier aus nicht feststellen.

Und um die Suche für Interessierte zu vereinfachen, hier drei Artikel, welche die Legende vom verhungerten Hund widerrufen:

Starving Dog as Art Isn't Dead – Don't Believe Everything You Read

The Extraordinary Pet Blog: Starving dog exhibit reported as a hoax

Ink & Mess: Starving Dog as Art - Gallery confirms exhibition as hoax

Ich will gar nicht groß in die Debatte einsteigen, ob diese Kunstaktion - ein fühlendes und leidendes Lebewesen auf diese Weise auszustellen - nicht dennoch verwerflich ist, auch wenn der Hund nicht gestorben ist.

Es geht mir um diese einfachen Tatsachen und Verhaltensregeln im Umgang mit dem weltweiten Netz:

Menschen reagieren zum einen erstaunlich leichtgläubig, zum anderen höchst empfindlich, wenn Dinge attackiert werden, die ihnen wichtig sind: Tierliebe, Kinder, eigene Zukunftssicherung, Geld/Steuern, Umweltschutz, Gott und die Kirche. Was im Nachgang der ganzen Geschichte passiert ist, lässt sich sehr wohl feststellen: Hype, Aufregung, Emotionen kochen hoch, der "Künstler" erhält Morddrohungen (!) - manche Tierschützer sind offenbar selbst weniger human als sie gerne wären.

Deshalb: Glaube nicht alles, was du im Internet liest oder hörst. Bevor du dich für etwas engagierst, wovon du im Internet erfahren hast, prüfe es genau. Denn: Die Mühe, sich zu informieren, muss sich jeder immer noch selbst machen. Das Internet hat uns dieser Aufgabe, ja Verpflichtung nicht enthoben, sondern sie erst noch verstärkt. Es ist nicht leichter geworden (auch wenn es manchmal den Anschein hat), sondern schwieriger.

["Übriggebliebene" Links:
Costa Rica Blogs - » Dead Dog: But is It Art?
Urban Legends Reference Pages: Guillermo Vargas: Dog Starved for Art Exhibit
Salonkritik.net: Aclaración tema "Hababuc". Rodolfo Kronfle Chambers
The Starving Dog Exhibition Controversy
reiskeks-natividad.blogspot.com
elperritovive.blogspot.com ]


Sonntag, 27. Juli 2008

Unternehmertum - Gott oder dem Mammon dienen?

„Niemand kann zwei Herren dienen – Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ So lautet eines der bekanntesten Zitate aus dem Neuen Testament, aus der Bergpredigt Jesu. Und es klingt ganz danach, als könne nur derjenige wirklich Jesus nachfolgen und wahrhaft gottesfürchtig sein, der auf jeglichen Besitz verzichtet. Geld, das ist vom Teufel, und wem es vor allem ums Geldverdienen geht, wie heute beispielsweise den Unternehmern, dem winkt schon die Hölle. Denn: Ihr könnt eben nicht Gott dienen und dem Mammon.

Damit scheint alles zum Thema gesagt, das Urteil festzustehen. Trotzdem hat vor kurzem die Evangelische Kirche eine Denkschrift veröffentlicht, mit dem Titel: „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“. Zu bestellen oder herunterzuladen auf www.ekd.de. Im Vorwort heißt es: „Die evangelische Gestalt des christlichen Glaubens hat zu unternehmerischem Handeln ein positives Verhältnis. Verantwortungsbereitschaft, Weltgestaltung, Unternehmergeist und das Engagement für das Gemeinwohl sind als Tugenden in der evangelischen Tradition fest verankert.“

In der Denkschrift geht es um ethische Leitlinien und Maßstäbe für unternehmerisches Handeln – denn auch wenn in der jüngsten Zeit mancher Skandal Schlagzeilen machte, wenn manches Managergehalt doch übertrieben hoch ist – unternehmerisches Handeln ist eine wesentliche Quelle für gesellschaftlichen Wohlstand. Aber: Es muss verantwortungsvoll geschehen.

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Entscheidend ist das Wörtchen „dienen“. Es geht nicht darum, das Geld ganz allgemein zu verteufeln, die Wirtschaft abzuschaffen, sich nicht um die Altersvorsorge zu kümmern. Aber: Du sollst nicht dein Herz dran hängen. Du sollst das nicht zum Götzen machen, dem du dich unterwirfst, so dass du alles andere vergisst und deinen Mitmenschen gegenüber rücksichtslos wirst. Diene zuallererst Gott; richte an ihm und seinen Geboten dein Denken und Handeln aus – dann gibst du ganz von selbst dem Mammon den Stellenwert, der ihm zukommt.

[Dieser Beitrag ist - in etwas veränderter und leicht gekürzter Fassung - auch als Radioandacht im "ProtCast Pfalz" zum Hören erschienen] - [Foto: Tanya Dropbear]

Freitag, 11. Juli 2008

Ins gemachte Nest?

"Warum soll ich mich anstrengen, wenn's auch einfacher geht?", muss sich die Amsel gedacht haben - und produzierte das hier in den Thymian auf unserem Balkon, der ihr offensichtlich als gemachtes Nest erschien:

Nachdem sie feststellen musste, dass in der Nähe ihres Fertigbau-Nestes ständig irgendwelche großen Zweibeiner herumtrampeln, ließ sie ihren Nachwuchs in spe jedoch schmählich im Stich und ward bislang nicht mehr gesehen.

Die Taufe ist mehr als ein Familienfest im Sommer

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Einerseits. Andererseits ist Sommerzeit auch die Zeit der Feste: der Gartenfeste jedenfalls, und auch die so mancher Familienfeste. Trauungen und auch Taufen finden gehäuft im Frühjahr und Sommer statt. Klar, hofft man doch auf gutes Wetter und die Gelegenheit, wenigstens eine Zeitlang auch draußen feiern zu können.

Wenn bei Ihnen in der nächsten Zeit eine Taufe ansteht, sei es, dass Ihr eigenes Kind getauft wird, sei es, dass Sie Patin oder Pate sein sollen, sei es, dass Sie einfach zu Gast sein werden – dann möchte ich Ihnen etwas zu lesen ans Herz legen, und zwar die erst vor wenigen Wochen veröffentlichte neue Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Sakrament der Taufe.

Darin stehen Sätze wie die folgenden:

"Die Taufe ist ... eine Gnadengabe, die von der Macht der Sünde befreit, an Christi Kreuz und Auferstehung teilhaben lässt, mit dem Heiligen Geist begabt und in die Gemeinschaft der Glaubenden aufnimmt." "In der Taufe feiern die Getauften und mit ihnen die ganze Kirche Jesu Christi die Zusage [der] Lebensgemeinschaft mit Gott." Die christliche Taufe ist "eine frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt." Der Heilige Geist "schenkt Kraft zu Glaube, Liebe und Hoffnung und konkretisiert sich in einer Vielzahl von Geistesgaben." Er „macht die Getauften auf diese Weise lebenstüchtiger und gemeinschaftstauglicher". "Die Taufe verheißt und wirkt, dass das gefährdete Leben in Gott bewahrt bleibt und letztendlich gerettet wird."

Hätten Sie's gewusst, dass die Taufe noch so viel mehr ist als ein schönes Familienfest?

[Foto: Snap®]

Donnerstag, 10. Juli 2008

Hinter die Oberfläche blicken

Völlig zugestaubt war er, der Holzwurm hatte ihm arg zugesetzt, ein Schlüssel fehlte, die Scharniere waren verrostet und kaputt. Die Rede ist von einem alten Küchenschrank. Bis vor einigen Jahren stand er im ehemaligen Kohlenkeller im Haus meiner Großeltern. Da verfiel er so vor sich hin.

Heute ist er das Glanzstück unseres Esszimmers. Er bekam neue Füße und eine neue Platte, neue Beschläge und Schubladenknäufe. Und durch das Abbeizen kam ein hell-warmes Weichholz, wahrscheinlich Fichte, zum Vorschein, das zuvor unter einer Lackierung verborgen lag. Es ist keine super-wertvolle Antiquität, aber schön anzusehen, dazu sehr nützlich (es geht nämlich viel rein), und darüber hinaus sogar eine Erinnerung an meine Uroma, der der Schrank zuerst gehörte, seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Was mir auch klar wird, wenn ich beim Frühstück sitze und mir das gute Stück so anschaue: wie wichtig es ist, hinter die Oberfläche zu schauen, nicht nur bei so einem alten Möbel, auch bei meinen Mitmenschen. Die schöne Seele hinter dem Staub erkennen, den nicht übersehen, der ausrangiert irgendwo abseits steht. Das heißt: den oder die Andere so sehen, wie Gott ihn oder sie gedacht hat. Sich also darin üben, mit den Augen der Liebe zu sehen.

Dazu muss ich aus meinem gewohnten Trott heraus. Ich muss mich anstrengen, denn ich muss mich dazu zwingen, ganz bewusst den Blick auf etwas oder jemand zu richten, der mir bis dahin gar nicht mehr besonders aufgefallen war. Oder aber ich muss bereit sein, dem Blick eines anderen zu vertrauen, der mir auf die Sprünge hilft und mich für bis dahin Unbeachtetes wieder begeistern kann. So ging es mir mit dem Küchenschrank. Ohne meine Frau - damals Freundin - stünde er wohl heute noch im Kohlenkeller.

Von wem lassen Sie sich auf die Sprünge helfen?

Dienstag, 1. Juli 2008

Rangliste Reloaded: Die Top 100 der deutschsprachigen Friendfeed-Nutzer laut Google

Meine vorgestern veröffentlichte Hitparade der 30 von Google höchstplatzierten Friendfeed-Nutzer aus deutschsprachigen Landen führte zu einigen Reaktionen auf Friendfeed.com selbst. Dieter Schwarz und Benjamin Reitzammer machten völlig zu Recht darauf aufmerksam, dass die von mir durchgeführte Google-Suche nur überprüft, welche Nutzer am häufigsten das Wort "Friendfeed" in ihrem Friendfeed-Stream verwendet haben. Ich hatte die von Mark Krynsky übernommene Suche einfach nur auf die Sprache Deutsch eingeschränkt, ohne dass mir aufgefallen war, dass hier auch ein fester Suchterm definiert war.

Daraufhin führte ich die Suche noch einmal ohne diesen Term durch, also einfach nur nach deutschsprachigen Ergebnissen auf der Domain friendfeed.com. Und siehe da: Das ergab nicht nur eine völlig andere Reihenfolge, sondern es tauchen auch deutlich mehr und andere Nutzer (und -innen) in der Liste auf! Dass ich die nachfolgende Liste auf 100 Nennungen erweitert habe, hat einen ganz egoistischen Grund: Ich käme anderenfalls nicht mehr darin vor ;-) Und alles andere zwischen 50 und 100 klingt irgendwie blöd.

Anzumerken ist:

  • Ich habe mir die Recherchearbeit nach Realnamen gespart. Wer nur einen Kurz- oder Spitznamen angibt, wird schon wissen, warum. Ich habe auch nicht alle Einträge in der Liste angeklickt und überprüft - falls ein Spammer darunter sein sollte, bitte hier oder auf Friendfeed einen entsprechenden Kommentar hinterlassen, dann entferne ich den entsprechenden Eintrag.
  • Zumindest mir bleibt unklar, nach welchen
    Kriterien Google diese Rangliste erstellt. Wenn es richtig ist, dass
    Google die Suchergebnisse auch noch auf den jeweils Suchenden hin
    personalisiert, kommt ohnehin bei jedem und jeder etwas anderes heraus.
  • Ich weiß auch nicht, ab wann Google einen Friendfeed als deutschsprachig ansieht und ihn darum als Ergebnis ausspuckt. Die meisten dieser Feeds dürften nämlich zweisprachig sein - ich jedenfalls bookmarke auch viele englische Seiten bei del.icio.us oder share englische Artikel über den Google Reader. Ich twittere und blogge allerdings auf Deutsch.
  • Sehr wahrscheinlich aber nicht enthalten sind Nutzer aus deutschsprachigen Ländern, deren Friendfeeds ausschließlich mit englischen Einträgen gefüllt sind. (Danach fragte Lars Trieloff.)
  • Mitchell Tsai hat eine andere Methode zur Ranglistenerstellung vorgeschlagen: Er googelt einzelne Friendfeed-Nutzernamen und nimmt die Anzahl der Ergebnisseiten, um sie in eine Reihenfolge zu bringen. Auch diese Methode hat ihre Nachteile, aber in der Diskussion zu diesem Vorschlag wies Slippy Lane darauf hin, dass "like all statistical analyses and 'top user' lists, it serves a purpose which is not dissimilar from friendfeed's own raison d'etre, in that it exposes us to a group of users, that we may not know, and that we may find interesting to add to our feeds." In diesem Sinne möchte ich auch die folgende Auflistung der Top 100 verstanden wissen, und ich empfehle allen, die noch auf der Suche nach interessanten deutschsprachigen Friendfeeds sind, die o.g. Google-Suche selbst durchzuführen und nach Ergebnissen jenseits dieser 100 Ausschau zu halten. Viel Spaß!
  1. Jean-Paul Hinz
  2. jech le bonk
  3. Arne Petrich
  4. cbgreenwood
  5. moritz
  6. Darmstadt
  7. michael h
  8. Christian
  9. Jérôme
  10. Martin Gommel
  11. Christoph Rummel
  12. Konstantin Klein
  13. Herbert Falk
  14. Patrick Johner
  15. Christopher
  16. Candy
  17. Kai Müller
  18. Johannes Kleske
  19. Daniel Schaefer
  20. Sebastian Schneider
  21. Martin van de Loo
  22. Daniel Backhaus
  23. Thomas Koch
  24. Marco Sascha Sven Hoppe
  25. Klaudia
  26. Wolfgang Heinrich
  27. Andreas Stephan
  28. Marvin
  29. rob
  30. Andre Heinrichs
  31. Karsten Füllhaas
  32. genosse
  33. Michael Eisenriegler
  34. Klaus Eck
  35. fst
  36. Carsten Ulbricht
  37. Marcel
  38. Frank Zimmermann
  39. Ronnie Grob
  40. Christian Strang
  41. Johanna Renner
  42. Nico Lumma
  43. Robert Dürhager
  44. Malte Dudd
  45. benedikt
  46. Alexander Cyliax
  47. Andreas Hobi
  48. Dominik Pasalic
  49. Thomas Hoppe
  50. Dieter Schwarz
  51. Marcel Pauly
  52. Carsten
  53. Sebastian Voss
  54. Ralf G.
  55. Alex von Halem
  56. Kerstin Probiesch
  57. Thomas Cloer
  58. Max Hartmann
  59. Jan Schmidt
  60. Chronistin
  61. Alexander Ebel
  62. Thomas Pleil
  63. Georg Holzer
  64. Fu_
  65. Mario Scheuermann
  66. Thorsten
  67. Patrik Tschudin
  68. Fabian Neumann
  69. Thomas Frütel
  70. thomas benkö
  71. marcel weiss
  72. Sachar Kriwoj
  73. Wetterfrosch
  74. Stephan
  75. Daniel
  76. Matthias Schwenk
  77. Timo Heuer
  78. competitionline
  79. Franziska
  80. Faustus Eberle
  81. Bjoern - Comments
  82. Mario - Comments
  83. webe - Discussion
  84. Torsten
  85. sebmos - Blog items
  86. Kai
  87. Alexander Rode
  88. Günther Mulder
  89. Markus
  90. Matthias Zellmer
  91. Markus Kalupke - Twitter items
  92. schneeengel
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  94. Susi Bockblogger - Blog items
  95. Traugott Dittmann
  96. Marcus Krueger - del.icio.us items
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  98. H. Duthel
  99. Ansgar Wollnik - FriendFeed items
  100. andylenz